Robuste Nachfrage in Asien 03.06.2013 12:36:31

ThyssenKrupp setzt große Hoffnungen auf China

In Asien und dort insbesondere in China will der Stahl- und Technologiekonzern zu den Wettbewerbern aufschließen und insgesamt fünf neue Werke errichten. Dabei steht aber nicht das Stahlkochen wie in Amerika im Fokus, sondern die Produktion von Autoteilen und Aufzügen. ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger sagte in einem Interview mit dem Wall Street Journal, für die fünf neuen Werke in China nehme das Unternehmen mehr als 280 Millionen Euro in die Hand. Mit den Investitionen reagiere Thyssen auf die robuste Nachfrage dort. Die Belegschaft in China will Thyssen in den kommenden fünf Jahren verdoppeln. Dazu sollen 15.000 Mitarbeiter im Aufzuggeschäft eingestellt werden, das im vergangenen Geschäftsjahr seinen Auftragseingang um fast die Hälfte gesteigert hatte.

   Asien sei eine wichtige Region, die Wirtschaft dort wachse dank der zunehmenden Urbanisierung weiterhin deutlich schneller als die in den Industrieländern. Das bedeutet für Hiesinger: Wenn ein Unternehmen wachsen will, muss es die Wachstumschancen in der Region wahrnehmen. Allerdings sei der Wettbewerb scharf, einige Rivalen seien vor Ort schon deutlich präsenter als Thyssen.

   Thyssen will mit der Expansion nach Asien die Abhängigkeit vom zyklischen Stahlgeschäft verringern und im Gegenzug im Technologiebereich - etwa bei Aufzügen - expandieren. Aus dem Stahlkochen stammen - ohne die amerikanischen Stahlwerke in den USA und Brasilien - noch rund 30 Prozent der Umsätze des Dax-Konzerns. Thyssen leidet auf diesem Markt aber unter Überkapazitäten und hohen Energie- sowie Arbeitskosten.

   Mit der Expansion nach Asien will das Unternehmen seinen missglückten Ausflug auf die amerikanischen Kontinente vergessen machen. Abschreibungen auf den Bau zweier Werke waren der Hauptverursacher des Verlusts von 4,7 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr. Dabei sind die Fehlinvestitionen in Amerika nicht die einzige Baustelle im Konzern. Kartellverstöße und Schmiergeldzahlungen hatten auch Fragen zur guten Unternehmensführung aufgeworfen. Nach andauernder Kritik war im März der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme zurückgetreten.

   Hiesinger steht seit 2011 an der Spitze des Stahlkonzerns und soll ihn wieder in die Erfolgsspur führen und dafür auch die Unternehmenskultur verändern. Dass er liefern will, hat der Manager schon vor geraumer Zeit klar gemacht. Hiesinger selbst hat innerhalb des Vorstands die Verantwortung für die Asien-Geschäfte übernommen. Das unterstreicht, welche Bedeutung er der Region beimisst.

   Thyssen hat in vergangenen Geschäftsjahr 4,3 Milliarden Euro Umsatz im asiatisch-pazifischen Raum gemacht, nur knapp 12 Prozent der Gesamteinnahmen. Siemens erzielt dagegen bereits 20 Prozent der Umsätze in der Region.

   Hiesinger ist derzeit dabei, die Managementstruktur in Asien zu regionalisieren. So hatte er neue Positionen für je einen Vorstandsvorsitzenden in Indien und China geschaffen. Im weiteren Jahresverlauf soll es neuen Chef für den Asien-Pazifik-Raum geben. Thyssen könne Entscheidungen nicht in Deutschland oder Europa fällen, die das Asien-Geschäft betreffen. Um erfolgreich zu sein, seien Detailwissen und Schnelligkeit wichtig, betont der Manager.

   Die bisherige Herangehensweise des Konzerns habe dagegen Probleme geschaffen. So habe das Autozuliefergeschäft in China nicht so schnell wachsen können, weil das alte Management-Team die Ambitionen vor Ort nicht durch Investitionen gestützt habe. Jetzt wolle Thyssen mit dem Bau der neuen Werke bei Kfz-Komponenten aufholen.

   China soll nach den Worten Hiesingers Brasilien als zweitgrößten Auslandsmarkt Thyssens schon bald ablösen. Nummer 1 bleiben die USA. Das China-Geschäft macht für Thyssen die Hälfte der Asien-Aktivitäten aus. Damit stammen rund 6 Prozent der Gesamterlöse aus dem Reich der Mitte.

   Wie wichtig Asien für den Konzern ist, zeigt der Blick zurück: Erst im Mai hatte Thyssen den Auftrag zum Bau zweier Zementwerke in Indonesien und Thailand erhalten. 350 Millionen Euro erlöst das Unternehmen damit. Daneben gibt es zahlreiche anstehende Infrastrukturprojekte der Region - die Chancen vor allem für dort tätige Unternehmen bieten.

   Das Wachstum in Asien steht dabei im scharfen Kontrast zur Entwicklung von ThyssenKrupp in der Heimat. Da steht ein Schrumpfkur auf dem Plan. Erst im Mai hatte das Unternehmen angekündigt, in der Verwaltung 3.000 bis 15.000 Stellen zu streichen. Der Schritt soll dem ausgegebenen Ziel dienen, in drei Jahren die Kosten um 2 Milliarden Euro zu reduzieren. Im Stahlgeschäft stehen außerdem 3.800 Jobs zur Disposition.

   Von den Stahlaktivitäten in Brasilien verabschiedet sich der Konzern unterdessen. Das Werk dort und auch das in den USA stehen seit über einem Jahr zum Verkauf. Dafür hatte sich lange Zeit kein Käufer gefunden. Nun steht eine Transaktion aber wohl kurz bevor. Hiesinger sagte, Thyssen stehe weiterhin in intensiven Verhandlungen mit mehr als einem Interessenten. Er glaube, dass "wir bald eine Lösung haben können".

   DJG/DJN/jhe

   Dow Jones Newswires

Von Jeffrey Ng

HONGKONG

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