02.03.2016 15:47:46
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AUSBLICK/Kommunen könnten RWE-Vorstand Entlastung verweigern
Von Jenny Busche
FRANKFURT (Dow Jones)--Für die kommunalen RWE-Anteilseigner war die Ankündigung vor zwei Wochen ein Schock: Der Energiekonzern will seinen Stammaktionären angesichts der wegbrechenden Gewinne keine Dividende mehr zahlen. Konzernchef Peter Terium muss in der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag mit viel Kritik rechnen. Die Kommunen drohen gar damit, dem Vorstand bei der Hauptversammlung die Entlastung zu verweigern.
"Wir sind kalt erwischt worden", sagte Ernst Gerlach, Geschäftsführer des Verbands kommunaler RWE-Aktionäre, über die geplante Streichung der Dividende. "Der Ärger im kommunalen Kreis ist enorm groß." Den Kommunen, die rund 24 Prozent der RWE-Anteile halten und mit vier Vertretern im Aufsichtsrat sitzen, entgehen dadurch Millioneneinnahmen. Verärgerung herrscht auch darüber, dass die Kommunen keinen Sitz im Aufsichtsrat der neuen Tochtergesellschaft erhalten sollen, wie Terium angekündigt hat.
Nun diskutieren die kommunalen Vertreter unter anderem darüber, den Vorstand bei der Hauptversammlung am 20. April nicht zu entlasten. "Wir warten erst die Aufsichtsratssitzung ab", sagte Gerlach am Mittwoch. Vielleicht komme der Vorstand den Kommunen ja noch entgegen - zum Beispiel in Sachen Aufsichtsratssitze bei der neuen Gesellschaft, in die RWE das Geschäft mit erneuerbaren Energien, den Vertrieb und das Netzgeschäft ausgliedern will. Die Kommunen spielten schließlich als Kunden eine große Rolle für RWE, unter anderem bei der Vergabe von Konzessionen, sagte Gerlach.
Bei seiner Sitzung am Donnerstag soll der Aufsichtsrat auch personelle Entscheidungen treffen. Peter Terium will den Vorsitz der neuen Gesellschaft übernehmen, zunächst aber noch RWE-Chef bleiben, wie ein Insider sagte. Nach dem Börsengang solle dann der derzeitige Vize Rolf Martin Schmitz den Chefposten bei RWE übernehmen. Finanzvorstand von RWE soll laut dem Insider der bisherige CEO der Handelstochter Supply & Trading, Markus Krebber, werden. Der derzeitige Finanzvorstand Bernhard Günther solle die gleiche Funktion bei dem neuen Unternehmen übernehmen. Zuvor hatte bereits das Handelsblatt darüber berichtet.
RWE steckt tief in der Krise. Dem Konzern bereiten die sinkenden Börsenstrompreise große Probleme. Im vergangenen Jahr musste RWE 2,1 Milliarden Euro auf seine Kraftwerke abschreiben. In Großbritannien kommen weitere Schwierigkeiten hinzu: Dort verlor der Konzern viele Kunden, zudem machen ihm IT-Probleme zu schaffen.
Unter dem Strich schrieb RWE nach vorläufigen Zahlen im vergangenen Jahr einen Verlust von 200 Millionen Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis sank von 1,28 Milliarden Euro auf 1,1 Milliarden Euro. Besserung ist nicht in Sicht: In diesem Jahr wird sich die Kennzahl nach den Erwartungen von RWE im schlimmsten Fall mehr als halbieren.
Angesichts der dramatischen Situation sah RWE-Chef Terium im vergangenen Jahr keinen anderen Ausweg, als einen radikalen Umbau anzustoßen. Das Wachstumsgeschäft will RWE in eine neue Aktiengesellschaft überführen und Ende dieses Jahres 10 Prozent der Anteile über eine Kapitalerhöhung an die Börse bringen. Offiziell entsteht die neue Gesellschaft schon zum 1. April.
Kontakt zum Autor: jenny.busche@wsj.com
DJG/jen/sha
(END) Dow Jones Newswires
March 02, 2016 09:16 ET (14:16 GMT)
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