Sicherer Hafen 21.10.2023 23:20:00

Nahost-Krieg: So könnte sich der Konflikt auf den Goldpreis auswirken

Nahost-Krieg: So könnte sich der Konflikt auf den Goldpreis auswirken

• Goldpreis profitiert von Israel-Krieg
• Anleger flüchten angesichts neuer geopolitischer Risiken in sichere Häfen
• Goldpreisanstieg womöglich nur von kurzer Dauer, kein neues Allzeithoch erwartet


Der Goldpreis hat kürzlich als Reaktion auf den Krieg im Nahen Osten den höchsten Stand seit Ende September markiert. Seit dem überraschenden Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat der Preis für das gelbe Edelmetall zeitweise um rund 8 Prozent auf 1.980 US-Dollar zugelegt (Stand: 20. Oktober 2023), in der vergangenen Woche konnte Gold mit einem Wochenplus von 5,2 Prozent sogar die beste Woche seit März verbuchen. Anleger suchten vor allem vor dem Wochenende vermehrt den Schutz eines sicheren Hafens, da eine weitere Ausweitung des Konflikts zwischen Israel und der Hamas befürchtet wurde. Der Goldpreis legte somit aufgrund der neuen geopolitischen Risiken eine Kehrtwende hin, nachdem er zuvor zwischen Ende September und Anfang Oktober aufgrund steigender Kapitalmarktzinsen noch deutlich gefallen war.

Experten: Israel-Krieg schlecht für die Welt, aber gut für Gold

"Anleger flüchten in Zeiten geopolitischer Unsicherheit in sichere Häfen", kommentierte Rania Gule von der Trading-Plattform XS.com laut "MarketWatch" und stellte dabei in Aussicht, dass Anleger mit einer zunehmenden Eskalation des Konflikts weiter von risikoreicheren Anlagen wie Aktien in sicherere Anlagen wie Gold umschichten könnten. Eine solche weitere Verschärfung des Konflikts könnte etwa die von Israel geplante Bodenoffensive in Gaza liefern.

Auch weitere Experten sprachen gegenüber der US-Webseite davon, dass der Krieg im Nahen Osten "eine schlechte Nachricht für die Welt und, auf typische bittersüße Art, eine gute Nachricht für die Goldbullen" sei. "Gold reagiert gut auf die Unsicherheit, und dies ist eine sehr unsichere Situation", sagte etwa auch David Russell, CEO des Goldhändlers GoldCore, laut "MarketWatch". Er geht davon aus, dass die Instabilität im Nahen Osten weder schnell noch einfach gelöst werde und stellt sich daher auf lange Sicht auf eine sehr unsichere Zeit ein. Gold sei jedoch "ein sicherer Vermögenswert, da es auf niemanden angewiesen ist, und deshalb wird es sich vor diesem Hintergrund gut entwickeln", so Russell. Er wies außerdem darauf hin, dass Kriege häufig mit Hilfe der Notenpresse finanziert werden. Das begünstigt jedoch eine steigende Inflation, was ebenfalls wiederum gut für das Edelmetall wäre.

Anleger sollten Hoffnungen für Goldpreis jedoch nicht zu hoch stecken

Auch Brien Lundin, der einen Gold-Newsletter herausgibt, schätzte den Run auf Gold vor dem vergangenen Wochenende als "klassisches Sicherer-Hafen-Event" ein. Er warnte Gold-Anleger jedoch davor, sich nun zu viele Hoffnungen zu machen. "Wie erfahrene Anleger in diesem Sektor gut wissen, steigt der Goldpreis bei geopolitischen Ereignissen dieser Art typischerweise an, um dann sofort wieder (oder tiefer) zu fallen, sobald sich die Lage beruhigt hat", sagte er laut "MarketWatch". Tatsächlich zog der Preis für das gelbe Edelmetall auch Anfang 2022 mit Beginn des Ukraine-Kriegs zunächst kräftig an, gab dann jedoch wieder nach und fiel bis zum Sommer sogar unter das Niveau, auf dem er sich in den Wochen vor Beginn des russischen Angriffs bewegt hatte.

Auch Matthew Miller, leitender Aktienanalyst bei CFRA Research, warnte Anleger davor, angesichts des Kriegs im Nahen Osten nun neue Höchststände beim Goldpreis zu erwarten. Es sei unwahrscheinlich, dass der Preis des Edelmetalls über einen längeren Zeitraum über 2.000 US-Dollar pro Unze steigen oder kurzfristig neue Allzeithochs erreichen werde, so Miller laut "MarketWatch". Stattdessen dürfte sich Gold zunächst weiterhin in der Spanne zwischen 1.800 US-Dollar und 2.000 US-Dollar bewegen. Als Grund für diese Prognose nannte er die hohen US-Anleiherenditen, die ebenfalls als sicherer Hafen überzeugende Anlage-Möglichkeiten bieten würden.

Mögliche Goldpreis-Rally hängt vom Verhalten der US-Notenbank ab

Es gibt jedoch ein Szenario, in dem sowohl Miller als auch Lundin einen neuen Bullenmarkt für Gold erwarten: wenn die Fed in die nächste Phase der Zinspolitik eintritt und die Leitzinsen wieder senkt. Womöglich könnte die US-Notenbank laut Lundin sogar den Israel-Krieg als willkommenen Anlass nehmen, um weitere Zinserhöhungen auszusetzen oder eine geldpolitische Kehrtwende zu vollziehen und so eine neue Gold-Rally auslösen. "Wenn dieses geopolitische Ereignis eine Änderung der Geldpolitik erzwingt, wird es den Treibstoff liefern, um diese Rally der Metalle noch viel, viel weiter voranzutreiben", schrieb Lundin laut "MarketWatch".

In den Wochen vor dem Angriff der Hamas auf Israel war der Goldpreis durch die Fed-Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung und die dadurch steigenden Anleiherenditen deutlich unter Druck geraten, denn hohe Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten für das Halten von Gold, das keine Zinsen abwirft. Niedrigere Zinssätze sind daher im Umkehrschluss positiver für das Edelmetall.

Redaktion finanzen.at

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