21.05.2017 21:17:56

Westfalenpost: Hoffnung für den Iran / Kommentar von Martin Gehlen zur Präsidentenwahl im Iran

Hagen (ots) - Hassan Ruhani hat hoch gepokert - und gewonnen. Der 68-jährige Kleriker ist bekannt für gute Nerven, taktisches Geschick und seine positive Ausstrahlung. Für den Iran ist sein hart erkämpfter Triumph eine gute Nachricht. Die Wähler standen vor der Wahl zwischen Rückkehr in die Isolation oder in die globale Arena. Sie haben sich entschieden für politische Mäßigung nach außen und gesellschaftliche Öffnung nach innen. Obwohl die wirtschaftliche Dividende des Atomabkommens von 2015 bisher beim Großteil der Bürger nicht angekommen ist. Noch nie seit den Turbulenzen 2009 ging es in einem Wahlkampf so hoch her. Noch nie wurden auf dem strikt kontrollierten politischen Spielfeld der Islamischen Republik so viele rote Linien überschritten - und zwar von beiden Lagern. Noch nie hat in den vergangenen 38 Jahren ein Präsident im Iran die Missstände, den klerikalen Machtmissbrauch und die Justizwillkür im eigenen Land so offen angeprangert wie in den letzten Wochen Ruhani. Dieser Mut zum Tabubruch mobilisierte viele Wähler. Doch auch seine Kontrahenten schenkten ihm nichts. Sie verunglimpften Ruhani als Lakai des Westens und Mann der falschen wirtschaftlichen Versprechen. So spektakulär der Sieg Ruhanis auch ist, er wird nicht reichen, um im vierten Jahrzehnt der Islamischen Republik eine fundamentale gesellschaftliche Öffnung durchzusetzen und das konservative Establishment tatsächlich aus einem Teil seiner Bastionen zu boxen. Die polarisierte Koexistenz wird auch unter den neuen Vorzeichen weitergehen - Ruhani bleibt das rational-moderate Gesicht, während die Hardliner mit Justiztyrannei, Medienzensur und Schattenhaushalten permanent dazwischen funken.

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