04.11.2015 21:33:00

Varoufakis attackiert auf Wiener Bühne die EU-Politik

Griechenlands Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis hat die Wiener Bühne zu einer Attacke auf die Eurokrisen-Politik der EU-Staaten genutzt. In seinem Vortrag in der Wirtschaftsuniversität am Mittwochabend unterhielt er zudem hunderte Zuhörer mit ökonomischen Ideen und politischen Seitenhieben, und rief zur einer neuen Allianz von Europas Linken auf.

Die gegenwärtigen EU-Institutionen seien in der Finanzkrise ab 2008 am Schutz der Mitgliedsstaaten gescheitert. "Eine Europäische Union wäre eine großartige Idee - aber wir haben keine", sagte Varoufakis. Die Eurozone lasse es an "Schock-Absorbern" vermitteln, die Ausgleich zwischen reichen und armen Staaten ermöglichten. "Die gemeinsame Währung hält es mit dem Motto der Bourbonen, die nichts lernten und nichts vergaßen", sagte der Ökonom.

Der griechische Ex-Finanzminister tourt seit Wochen für Vorträge durch Europa. Auch in Wien wurde ihm ein begeisterter Empfang bereitet. Nach tausenden Anmeldungen sperrte die WU auch Nebenräumen auf, um Schaulustigen per Video-Stream das Verfolgen des Vortrages zu ermöglichen.

Seine Amtszeit als Finanzminister von Jahresanfang 2015 bis Juli sei schwierig und ihr Ende für ihn "traumatisch" gewesen, räumte Varoufakis in seinem Vortrag ein. Immerhin habe er aber eines erreicht. "Die Leute wissen jetzt, dass die Eurozone kein Protokoll über ihre Sitzungen führt. ... Die Europäer sollten wissen, dass ihre Wirtschaft von einer Geheimgesellschaft regiert wird", sagte der 54-Jährige.

Mit seinem früheren Chef Alexis Tsipras zerwarf sich Varoufakis. Der griechische Regierungschef habe mit dem Akzeptieren neuer Sparmaßnahmen im Gegenzug für weitere Bailout-Gelder im Juli "kapituliert", sagte Varoufakis, der infolge zurücktrat. Persönlich angreifen will er Tsipras dennoch nicht. "Ich könnte nie ein schlechtes Wort über ihn verlieren", betonte der flamboyante Wirtschaftswissenschafter.

In Wien rief Varoufakis zu einer neuen Allianz der Linken in Europa auf. Es müsse eine europaweite "Konversation" über neue Wege des Zusammenlebens geben. Darin solle jeder teilnehmen können, unabhängig in welcher Partei oder gesellschaftlichen Gruppe man angehören. Ideen steuerte Varoufakis auch gleich selbst bei: Die Europäische Zentralbank solle etwa Lebensmittelmarken für Arme finanzieren, mit der Unterschrift von EZB-Präsident Mario Draghi darauf. "Denkt nur daran, was für einen einigenden Effekt das für Europa hätte", sagte Varoufakis.

(Schluss) fat/hf/chg

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