30.08.2017 11:49:42
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Stada-AR schlägt Nicht-Entlastung ehemaliger Vorstände vor
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Arzneimittelkonzern STADA wirft seinen ehemaligen Vorständen Compliance-Verstöße vor. Der Aufsichtsrat schlug deshalb den Aktionären auf der Hauptversammlung in Frankfurt die Nicht-Entlastung der 2016 amtierenden und mittlerweile ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Helmut Retzlaff, Matthias Wiedenfels und Helmut Kraft vor und sorgte damit für einen Paukenschlag. Auf der Tagesordnung der Einladung hatte die Konzernführung unter Punkt 3 noch die Entlastung vorgeschlagen. Die Vorwürfe werfen ein neues Licht auf den überraschenden, plötzlichen Abgang von CEO Wiedenfels und Finanzvorstand Kraft Anfang Juli.
Ab dem dritten Quartal habe der Aufsichtsrat Hinweise auf Pflichtverletzungen des langjährigen Vorstandschefs Helmut Retzlaff erhalten, der bis Sommer 2016 amtierte, später auch von CEO Matthias Wiedenfels und Finanzvorstand Helmut Kraft erhalten, sagte Aufsichtsratschef Carl-Ferdinand Oetker. Diese beträfen den Bereich Compliance. Dabei gehe es etwa um den Abschluss von Beraterverträgen, für die keine erkennbare Gegenleistung erbracht worden sei.
Nicht alle Pflichtverletzungen hätten Schaden für das Unternehmen verursacht, wo Schädigungen im Raum stünden, seien diese aber signifikant. Eine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei damit nicht mehr gegen gewesen. "Wir wollen ein Signal setzen, dass wir solche Geschäftspraktiken nicht tolerieren", sagte Oetker weiter.
Oetker verwies darauf, dass das interne Untersuchungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Deshalb habe das Unternehmen die Aktionäre Anfang Juli noch nicht darüber informieren können. Wiedenfels und Kraft hätten die Gelegenheit zur Stellungnahme wahrgenommen, Retzlaff habe Gesprächsangebote bislang ausgeschlagen.
Der Vorstand beantragte dagegen die Vertagung dieses Tagesordnungspunktes, sagte Oetker. Darüber muss nun aber die Hauptversammlung abstimmen.
Wenige Tage nach dem Scheitern der ersten Übernahmeofferte von Bain und Cinven hatte Stada am 4. Juli überraschend die Vorstandsspitze ausgetauscht. Wiedenfels, der den Konzern nach dem kranheitsbedingten Ausscheiden von Retzlaff im Sommer 2016 geleitet hatte, nahm ebenso seinen Hut wie Finanzvorstand Kraft. An ihrer Stelle berief der Aufsichtsrat den Pharmamanager Engelbert Coster Tjeenk Willink zum Konzernchef und Bernhard Düttmann, ehemals CFO bei Lanxess und Beiersdorf, zum Finanzchef. Willink und Düttmann sind nur bis Jahresende bestellt.
Die Übernahme durch Bain Capital und Cinven war im zweiten Anlauf nur knapp geglückt, sie hatten mit ihrer 5,4 Milliarden Euro schweren Offerte 63,8 Prozent der Anteile eingesammelt und damit die Mindestannahmeschwelle von 63 Prozent gerade so übertroffen.
Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com
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August 30, 2017 05:19 ET (09:19 GMT)
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