31.07.2013 13:05:31

Sorgen um ThyssenKrupp alarmieren die Investoren

ThyssenKrupp weckt angesichts seiner Schwierigkeiten beim Verkauf der amerikanischen Stahlwerke immer größere Sorgen: Mittwochmorgen brach die Aktie des Stahl- und Technologiekonzerns zunächst um fast 8 Prozent ein. Am Mittag betrug das Minus noch 3,5 Prozent. Analysten der Schweizer Bank UBS hatten zuvor vor einer möglichen Kapitalerhöhung gewarnt. Ihrer Einschätzung nach ist völlig offen, wie viel Bargeld ThyssenKrupp für die verlustreichen Werke in Brasilien und den USA erhält. Längst wächst aus Sicht einiger Beobachter zudem die Gefahr, dass der Konzern auf seiner Amerika-Sparte sitzen bleibt.

   Glaubt man nämlich dem Chef des US-amerikanischen ThyssenKrupp-Konkurrenten Nucor, Dan DiMicco, interessiert sich nur noch ein einziger Bieter für die Produktionsstätten: der brasilianische Stahlkonzern CSN. Dieser sei ThyssenKrupps "einzige Hoffnung", sagte DiMicco in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Auch der luxemburgische Stahlkonzern ArcelorMittal und der Konkurrent Nippon Steel interessierten sich nicht länger für die Werke der Deutschen. ArcelorMittal und Nippon Steel galten bislang als ernsthafte Bieter für die Produktionsstätte im US-Staat Alabama. Einziger bekannter Interessent für das ThyssenKrupp-Werk in Brasilien war bislang schon CSN.

   Und auch die Verhandlungen mit CSN sind ausgesprochen schwierig: Mit der Angelegenheit vertraute Personen hatten dem Wall Street Journal Deutschland in der vergangenen Woche berichtet, der Verkauf an die Brasilianer sei einstweilen geplatzt. Den Informationen zufolge will CSN nur dann einen Anteil an der Produktionsstätte in der Nähe von Rio de Janeiro übernehmen, wenn der Konzern auch das Werk in Alabama erhält. Wie die Informanten sagten, sind sich CSN und ThyssenKrupp aber uneinig über den Preis für das US-Werk.

   ThyssenKrupp ließ die Informationen weitgehend unkommentiert. Sprecher des Konzerns wiederholten stets, das Unternehmen befinde sich in Verhandlungen mit einem führenden Bieter. Es strebe "zeitnah" eine Einigung an. Bei der Formulierung blieb der Konzern auch am Mittwoch. Ein Sprecher fügte aber hinzu, es gebe nach wie vor weitere Interessenten. Sowohl Nippon Steel als auch ArcelorMittal lehnten einen Kommentar ab.

   Die Investoren allerdings blieben am Mittwoch alarmiert. "Ich denke, dass die Verluste zu etwa gleichen Teilen auf die Abstufung durch UBS und die Meldung zu Steel Americas zurückzuführen sind", sagte ein Händler. UBS-Analysten hatten auf "Abwärtspotenzial" bei der ThyssenKrupp-Aktie hingewiesen. Es sei unwahrscheinlich, dass der Konzern bei einem Verkauf der amerikanischen Werke den Kaufpreis vollständig in Form von Bargeld erhalte, schrieben die Beobachter. Sie wiesen zudem auf frühere Aussagen von ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger hin, nach denen eine Kapitalerhöhung in den nächsten sechs bis neun Monaten nicht auszuschließen ist. "Das Risiko steigt", so die Analysten. Möglich sei etwa eine Kapitalerhöhung im Umfang von 500 Millionen bis zu 1 Milliarde Euro, um zum Beispiel weitere Abschreibungen auf die Werke in Amerika zu decken.

   ThyssenKrupp leidet derzeit zwar nicht unter zu wenig Liquidität: Der Konzern verwies im Bericht über das erste Halbjahr seines Geschäftsjahres auf flüssige Mittel und freie, zugesagte Kreditlinien in der Höhe von zusammen 8 Milliarden Euro. Erst im Februar und März hat das Unternehmen eine Anleihe im Umfang von 1,6 Milliarden Euro begeben. Eine Kreditlinie allerdings ist auch wegen der schwachen Eigenkapitalausstattung in Gefahr: Laut Geschäftsbericht über das vergangene Jahr können die Banken eine bislang nicht in Anspruch genommene 2,5-Milliarden-Euro-Linie kündigen, wenn das sogenannte Gearing die Grenze von 150 Prozent überschreitet. Das Verhältnis von Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital betrug schon Ende März 148,2 Prozent. Es könnte weiter steigen, wenn ThyssenKrupp etwa zu neuen Abschreibungen auf das Amerika-Geschäft gezwungen sein sollte.

   Von den Werken in Brasilien und den USA hatte sich der Konzern einst hohe Gewinne versprochen: Der Konzern wollte von niedrigen Lohnkosten in Brasilien und einem lukrativen Absatzmarkt in den USA profitieren. Schon beim Bau der Werke stießen die Deutschen aber auf technische Schwierigkeiten. Es änderten sich zudem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Damit erwiesen sich die Produktionsstätten als Milliardengrab: Allein im vergangenen Geschäftsjahr schrieb ThyssenKrupp 3,6 Milliarden Euro auf die Anlagen ab. Nach einer weiteren Wertkorrektur um rund 700 Millionen Euro im Mai stehen die Werke noch mit etwa 3,4 Milliarden Euro in den Büchern des Konzerns. ThyssenKrupp hat bislang mehr als 12 Milliarden Euro für die amerikanischen Produktionsstätten ausgegeben.

   Neuer Aufschluss über die Entwicklung ist schon für den 13. August zu erwarten. ThyssenKrupp will überraschend schon an dem Tag die Zahlen des dritten Geschäftsjahresquartals vorlegen. Die Veröffentlichung war zunächst einen Tag später geplant.

   Mitarbeit: Benjamin Krieger, Jan Hromadko, Hiroyuki Kachi und Alex MacDonald

   Kontakt zum Autor: hendrik.varnholt@dowjones.com

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Von Hendrik Varnholt

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