03.10.2014 19:46:47

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Börsen-Zeitung: Zinsfolgen des starken Dollar, ein Marktkommentar von

Kai Johannsen

Frankfurt (ots) - Die meisten Marktteilnehmer gehen davon aus,

dass die US-Notenbank im kommenden Jahr erstmals seit Ausbruch der

Immobilien- bzw. Finanzmarktkrise wieder an der Zinsschraube drehen

wird. Einige rechnen für das Frühjahr bereits mit diesem Schritt,

andere sehen ihn zur Jahresmitte. Nur sehr wenige gehen derzeit davon

aus, dass erst spät in der zweiten Jahreshälfte die erste

Zinsanhebung erfolgt oder sie 2015 überhaupt nicht mehr stattfinden

wird. In der Fed selbst sind jetzt allerdings die ersten Stimmen zu

vernehmen, die genau das in Aussicht stellen, nämlich eine spätere

Anhebung der Zinsen als derzeit am Markt erwartet. Der Grund für eine

eher spätere als frühere Leitzinsanpassung nach oben wird in der doch

sehr bedeutenden Aufwertung des Dollar innerhalb der vergangenen

Monate gesehen.

Dennis Lockhart, Präsident der Federal Reserve von Atlanta, hat

genau das in den vergangenen Tagen zum Thema gemacht, was im Markt

aber eher etwas unterging. Zu den Faktoren, die die Erholung der

US-Konjunktur belasten, zählt Lockhart eben diese jüngste

Kursbefestigung des Greenback. Im dritten Quartal hat er zum Euro

mehr als 8% an Wert zugelegt. Am Freitag kostete der Euro erstmals

seit gut zwei Jahren wieder um 1,25 Dollar. Lockhart sieht in der

Dollaraufwertung einen möglichen Belastungsfaktor für die US-Exporte.

Die Nachfragesituation stufte er in den USA eher als moderat ein.

Lockhart zufolge könnte die Zeit erst Mitte 2015 reif für die erste

Zinsanhebung sein, und er fügte an: "oder später". Ihm zufolge sind

die Konsumentenausgaben weiter gering, und das Lohnwachstum stufte er

als schwach ein.

Lockhart könnte mit seiner Einschätzung durchaus Recht behalten.

Derzeit sieht es danach aus, dass der Dollar weiter zulegen wird.

Prognostiziert werden Werte von 1,20 Dollar je Euro. Die Dynamik der

Aufwertungsbewegung der vergangenen drei Monate ist beeindruckend,

und das könnte sich noch fortsetzen. Auch Euro/Dollar-Niveaus

unterhalb von 1,20 sind gut vorstellbar. Einen starken Dollar dürfte

so manches US-Unternehmen dann sehr wohl auf der Exportseite spüren.

Diese Belastung dürfte dann auch die Gewinnsituation in

Mitleidenschaft ziehen. Entweder fällt das Gewinnwachstum weniger

stark (als prognostiziert) aus oder die Gewinne gehen sogar zurück.

Den Konsum stufte Lockhart ohnehin als eher moderat ein. Und stehen

die Unternehmen unter einem aufgrund des festen Dollars stärkeren

Druck, haben die Mitarbeiter bzw. Gewerkschaften kaum eine

vergrößerte Verhandlungsmacht bei den Löhnen und Gehältern. Das

Lohnwachstum in den USA und damit auch eine wichtige Triebfeder für

den Konsum könnte sehr viel schwächer ausfallen, als das gegenwärtig

am Markt eingepreist wird.

Kurzum: Der stärkere Dollar wirkt auf die US-Wirtschaft bereits

wie eine Zinserhöhung. Der Effekt verstärkt sich mit einer weiteren

Aufwertung des Greenback. Dann könnte es tatsächlich passieren, dass

die Fed nicht an der Zinsschraube dreht und die erste

Leitzinsanhebung weit nach hinten im kommenden Jahr verschoben wird -

oder sogar überhaupt nicht kommt. Dafür müsste der Greenback

vermutlich aber noch sehr deutlich weiter aufwerten.

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass der Dollar bzw. die Stärke

der Währung zwar ein wichtiger Faktor für die Fed ist, aber es ist

eben nur ein Faktor. Wichtig wird weiterhin sein, wie robust sich der

Arbeitsmarkt zeigt. Und der präsentiert sich aktuell in einer sehr

guten Verfassung. Die am Freitag vorgelegten Arbeitsmarktstatistiken

für September wiesen 248.000 neue Arbeitsplätze aus. Marktteilnehmern

hatten mit 215.000 neuen Stellen gerechnet. Die Arbeitslosenquote

fiel von 6,1% auf 5,9% (Erwartung: 6,1%).

Spiegelbildlich zur Fed könnte es sich für die Europäische

Zentralbank (EZB) darstellen. Für sie ist ein schwacher Euro durchaus

willkommen, soll er doch die Wirtschaft ankurbeln und die

Deflationsgefahr bannen. Wertet der Euro weiter ab, müssen die

europäischen Währungshüter vielleicht keine weiteren Maßnahmen der

unkonventionellen Art ergreifen, so die Einschätzung. Am vergangenen

Donnerstag hat die EZB nun die Details zum Kaufprogramm für ABS und

Covered Bonds bekannt gegeben. Viele im Markt sehen hierin allerdings

nach wie vor nur den ersten Schritt. Es wird erwartet, dass die EZB

bei den unkonventionellen Maßnahmen am Drücker bleiben wird. Es wird

auch noch mit einem Staatsanleihekaufprogramm gerechnet, für das

Draghi mit den ABS- und Covered-Bond-Käufen die Tür öffnet.

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