14.12.2018 20:30:41
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Börsen-Zeitung: Geteilte Welt, Marktkommentar von Dietegen Müller
Frankfurt (ots) - So ungerecht ist die Welt. Während die
Europäische Zentralbank zu einem Zeitpunkt, da sich die
Wirtschaftsdynamik in Europa klar abzukühlen beginnt, zögerliche
erste Schritte der geldpolitischen Normalisierung geht, läuft die
US-Wirtschaft nahezu rund. Ökonomen-Panels gehen darum von einem
weiteren Zinsschritt der US-Notenbank über 25 Basispunkte am
kommenden Mittwoch aus - dem vierten in diesem Jahr. 2019 dürfte die
Federal Reserve zwei weitere Zinsschritte gehen, lassen verschiedene
Prognosen erwarten.
Der Markt selbst preist aber in den Zinsterminkontrakten höchstens
eine Zinserhöhung ein. Denn der Fiskalstimulus der US-Regierung läuft
langsam aus, und die Konjunkturrisiken auch in den USA wachsen. Im
Gegenzug nehmen die Schulden des Landes durch die ausschweifende
Fiskalpolitik zu. Es wird sich 2019 zeigen, ob am Markt dafür die
nötige Nachfrage vorhanden ist - und ob die Nachfrage dann höhere
Zinsen verlangt oder ob aus einem Anlagenotstand heraus wegen eines
sehr volatilen Marktumfelds die Renditen der US-Staatspapiere stabil
bleiben oder sogar wieder fallen.
In beinahe allen Jahresausblicken werden politische und
konjunkturelle Risiken als bestimmende Faktoren für die Märkte
angeführt, dies ist sozusagen der Persilschein für eigene
Prognoseunfähigkeit. Auch gibt es hie und da Kritik an der
Kommunikationspolitik der US-Notenbank: Sie sei unter Jerome Powell
"volatiler" geworden.
Der zur Allianz gehörende Anleihemanager Pimco geht von einem
US-Rezessionsrisiko von 30 Prozent für die nächsten zwölf Monate aus,
sieht aber keine Überhitzung auf dem Arbeits- und Gütermarkt. Ein
internes Modell von Pimco kommt zu dem Schluss, dass der
US-Aufschwung etwa seine Mitte erreicht habe - allerdings habe dieses
Modell vor einem Jahr den Aufschwung auch schon als spätzyklisch mit
einem gewissen Rezessionsrisiko angezeigt. 2019 dürfte es, folgert
Pimco, keine Rezession geben, wohl aber eine Wachstumsverlangsamung
und eine Annäherung an die Wachstumsraten im Rest der Welt. Der
US-Leitzins dürfte ein oder zwei Mal angehoben werden, im ersten
Halbjahr gebe es aber wohl eine Pause, da die
Finanzierungsbedingungen auch durch den Fed-Bilanzabbau gestrafft
würden.
Entsprechend rät Pimco zu inflationsgeschützten Papieren
(TIPS) und qualitativ höherwertigen Bonds, hält sich aber von
Unternehmensanleihen fern. Credits hätten sich in der Bewertung ihrem
Mittelwert angenähert, seien aber nicht günstig. Es bestehe die
Gefahr, dass straffere Finanzierungskonditionen sowie schwächeres
Wachstum zugrundeliegende Verschuldungsprobleme offenlegten.
Aktienseitig bevorzugt der Anleihespezialist großkapitalisierte
US-Blue-Chips als defensive Anlage. Der Handelskrieg zwischen den
USA und China werde zwar nicht gelöst, dürfte aber nicht eskalieren.
In Europa ist die Situation aber eine andere. Das Argument
politischer Risiken ist untrennbar mit dem ganzen Kontinent
verknüpft, sei es über den Handelskrieg, der Europa mehr als die
USA treffen würde, sei es mit dem unkalkulierbaren Brexit-Prozess,
der Entwicklung in Italien oder den Spannungen in Frankreich. Dies
halte Investoren aus Übersee ab, in europäische Aktien zu
investieren, heißt es verschiedentlich.
Demgegenüber können sich sichere Häfen wie etwa Bundesanleihen
nicht über mangelnde Nachfrage beklagen. Deutschland könnte
wesentlich mehr Geld zu günstigen Konditionen aufnehmen, als es die
Haushaltsplanung vorsieht. Zugleich hat die Europäische Zentralbank
aber kaum Spielraum, Gegensteuer zu geben, sollte sich die
konjunkturelle Abschwächung beschleunigen. Ob dann wie erhofft die
europäischen Regierungen mit stimulierenden Fiskalmaßnahmen oder
Investitionsprogrammen in die Lücke springen?
In Summe spricht dies nicht nur zinspolitisch für eine weiter
zweigeteilte Welt. US-Assets könnten sich, solange es nicht zu einer
Ausbreitung des Stresses im US-Kreditmarkt und einer
handelspolitischen Eskalation kommt, auch weiterhin vergleichsweise
ordentlich halten.
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