RBI |
21.12.2017 14:04:00
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Österreichs Wirtschaft erwartet höchstes Wachstum seit 10 Jahren
Auch im kommenden Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,6 Prozent zulegen. Damit liegt Österreich über dem durchschnittlichen BIP-Wachstum der Eurozone von 2,4 Prozent für 2017 und 2,5 Prozent für 2018. "Damit werden wir doppelt so rasch wachsen ... wie 1991", erklärte Brezinschek. Damals lag das durchschnittliche Wachstum bei 1,3 Prozent.
Wie sich das neue Regierungsprogramm auf den heimischen Kapitalmarkt auswirken werde, hänge von der tatsächlichen Umsetzung ab, erklärte Brezinschek. Das verabschiedete Programm der frisch angelobten Regierung enthalte wirtschaftsfördernde "Absichten". "Dahinter kann sich struktureller Sprengstoff verbergen", sagte Brezinschek. Beispielsweise könnten der angekündigte Bürokratieabbau, das Bekenntnis zur Infrastruktur sowie die Beschleunigung von Umweltverträglichkeitsprüfungen zu Wachstumseffekten führen. Die Formulierungen im Programm seien allerdings "sehr weich". Daher gebe es derzeit keinen Anlass, explizit Empfehlungen oder den Ausblick zu ändern.
"Offensichtlich hat sich die FPÖ verabschiedet von gewissen populären Forderungen, die eher sozialistischer Natur sind" führt der RBI-Experte aus. Die FPÖ vollziehe "interessanterweise eine Abkehr von ihrem eigenem Klientel". Das Programm sei ein marktwirtschaftsfreundlicher Ansatz, hielt Brezinschek fest. Es werde aber auf die Umsetzung gewartet. Schließlich habe auch die letzte Regierung den Kapitalmarkt fördern wollen, doch letztendlich sei das nicht passiert. "Die letzte Regierung hat den Kapitalmarkt stiefmütterlich behandelt", sagte Brezinschek.
Der Kapitalmarkt präsentierte sich heuer allerdings auf Rekordniveau. Wenige Handelstage vor Ende des Börsenjahres 2017 zeigt der österreichische Leitindex ATX einen Anstieg seit Jahresbeginn von etwa 30 Prozent. Damit zählt der ATX weltweit zu den am stärksten steigenden Aktienindizes im heurigen Jahr - es ist der stärkste ATX-Kursanstieg seit 2009, so die RBI-Analyse.
Grund dafür sei die gute Konjunkturentwicklung in Zentral- und Osteuropa (CEE), erläuterte RBI-Chefanalyst Bernd Maurer. Vor allem heimische Bau-, Immobilien- und Finanzunternehmen seien dort stark präsent. Österreich habe "sein Pickerl" in der CEE-Region. "Dort ist man am Gipfel des Konjunkturzyklus angekommen". Die CEE-Region befindet sich bereits im vierten Jahr des Konjunkturaufschwungs, der sich 2017 nochmals beschleunigt hat. Insbesondere Polen und Rumänien weisen Wachstumsraten auf, die weit über dem jeweiligen Potenzialwachstum liegen.
Auch das verbesserte Umfeld in der Finanzindustrie habe geholfen, sagte Maurer. Die Hoffnung auf eine leichte Erholung der Zinslandschaft nehme Druck aus der Finanzbranche. Diese sei mit 30 Prozent im ATX stark gewichtet.
Zudem seien die Geschäftsergebnisse der österreichischen Unternehmen besser als ursprünglich erwartet ausgefallen. Besonders gute Zahlen von Schwergewichten wie der voestalpine oder der OMV unterstützten den gesamten Aktienindex. "Wir befinden uns in einer fortgeschrittenen Phase des Konjunkturzyklus", sagte Maurer. In dieser nehme das Interesse an kleinen und mittelgroßen Unternehmen zu. Diese haben in den letzten einundeinhalb Jahren eine deutlich bessere Entwicklung gezeigt, was dem heimischen Markt und der CEE-Region helfe.
Aufgrund der Dynamik der Wirtschaftsentwicklung erwartet Maurer im kommenden Jahr ein robustes Gewinnwachstum der heimischen Unternehmen von zehn Prozent. Das Umfeld für Aktienmärkte bleibe positiv. Der Jahresbeginn 2018 könnte aber Schwankungen unterworfen sein. So drohe eine Abkühlung in den Emerging Markets und China. Zudem bleibe die Politik in den USA unberechenbar. Auch politische Tumulte in Nordkorea sowie Katalonien und die anstehenden Wahlen in Italien seien Risikofaktoren.
Die Analysten erwarten eine volatilere Marktphase, als es in den letzten Jahren der Fall war. Dabei erwartet der RBI-Experte Maurer ein stärkeres erstes Halbjahr. Das zweite soll schwächer verlaufen. In den USA erwarten die RBI-Analysten von Juni bis Dezember drei weitere Zinserhöhungen der Notenbank (Fed). "Wir gehen davon aus, dass die EZB 2018 höchstwahrscheinlich keine Zinsänderung vornehmen wird. Ein Ende des Anleihenkaufprogramms im September wäre aber der erste Schritt in Richtung Abschied von einer extremen expansiven Geldpolitik", so Brezinschek. Insgesamt sehen die RBI-Analysten einen globalen Aufschwung von jeweils 3,5 Prozent für 2017 und 2018. "Allerdings muss festgehalten werden, dass die Dynamik der quartalsweisen Wachstumsraten in den kommenden zwei Jahren schrittweise abnehmen wird", erklärt Brezinschek.
(Schluss) mad/tsk
WEB http://www.raiffeisen.at
APA
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