01.05.2017 20:14:40
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Ökonomen für Steuersenkungen
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Wirtschaftswissenschaftler fordern mit großer Mehrheit eine steuerliche Entlastung der mittleren Einkommen. Das ist Ergebnis des neuen Ökonomenpanels, einer Umfrage des Ifo-Instituts in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Knapp 110 Wirtschaftsprofessoren beteiligten sich daran. 60 Prozent von ihnen nannten die Belastung der Haushalte mit mittleren Einkommen "zu hoch", berichtet die FAZ (Dienstagsausgabe). Die Steuern für höhere Einkommen, die mehr als das anderthalbfache des Mittelwerts betragen, sieht eine relative Mehrheit von 39 Prozent als "zu niedrig" an, 24 Prozent finden auch sie "zu hoch".
Die große Mehrheit der Wirtschaftsprofessoren findet, dass die Steuerzahler insgesamt entlastet werden sollten. 61 Prozent fordern dies. Nur jeder vierte sieht keinen Reformbedarf. Als jährliches Entlastungsvolumen sieht knapp einem Drittel zufolge 20 bis 30 Milliarden Euro als richtig an - ein Viertel plädiert für 10 bis 20 Milliarden Euro. Viele Wirtschaftsprofessoren fordern, den sogenannten "Mittelstandsbauch" abzubauen. Damit ist eine überproportionale Belastung mittlerer Einkommen durch einen besonderen Knick in der Kurve des Steuertarifs gemeint.
Ökonomen für Beibehaltung der Abgeltungssteuer Die umstrittene Abgeltungssteuer behielte eine Zweidrittelmehrheit der Ökonomen bei. Dafür spricht sich eine starke Mehrheit für eine ersatzlose Streichung des Solidaritätszuschlags zur Einkommensteuer aus. 43 Prozent fordern, ihn ersatzlos in einem Zug zu streichen. 18 Prozent wollen ihn in gleichmäßigen Schritten bis 2030 abbauen. Dies hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Aussicht gestellt.
Die große Mehrheit der Ökonomen will endgültig die sogenannte Kalte Progression beenden. Damit ist die stetig steigende Steuerbelastung durch den progressiven Steuertarif gemeint, wenn die Einkommen auch nur gemäß der Inflationsrate steigen. Dann rutschen die Steuerpflichtigen nach und nach in höhere Steuertarife, obwohl ihr Einkommen kaufkraftbereinigt nicht gestiegen ist. Drei Viertel der befragten Ökonomen fordern einen "Tarif auf Rädern", der sich entsprechend der Geldentwertung verschiebt, so dass die Steuerbelastung nicht durch die Inflation steigt.
Einige überraschende Resultate brachte das Ökonomenpanel mit Blick auf die Besteuerung der Bezieher hoher und sehr hoher Einkommen. Zwar findet knapp die Hälfte der Ökonomen den Spitzensteuersatz von 42 Prozent genau richtig, immerhin ein Drittel findet ihn aber zu niedrig.
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May 01, 2017 13:44 ET (17:44 GMT)
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