08.05.2014 14:05:30
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Öffentliche Banken: Ukraine-Konflikt hat bisher kaum wirtschaftl. Folgen
Von Hans Bentzien
Der Konflikt in der Ukraine hat nach Einschätzung der öffentlichen Banken Deutschlands bisher kaum negative Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft. Bei der Vorstellung ihrer aktuellen Zinsprognose warnten die im Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) versammelten Institute aber, dass der Konflikt derzeit "die große Unbekannte" sei.
"Uns ist klar, dass alles, was wir hier prognostizieren, schon morgen nicht mehr stimmen muss", sagte der leitende Zinsstratege der DZ Bank, Thomas Meißner. Die Institute erwarten für die nächsten zwölf Monate steigende Anleiherenditen in den USA und Deutschland.
DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft die derzeit umgesetzten und angekündigten Sanktionen des Westens der "Stufen zwei und frei" verkraften kann oder überhaupt nicht spüren wird. Anders wäre das seiner Einschätzung nach bei einem "Sanktionsduell", zum Beispiel einem Boykott des russischen Finanzsystems, gefolgt von einem Stopp der Energielieferungen.
"Das hätte das Zeug, den Aufschwung in Europa zum Erliegen zu bringen. Aber dieses Szenario ist aus unserer Sicht sehr, sehr unwahrscheinlich", sagte Kater. Die Neigung Europas zu Sanktionen gegen Russland sei bekanntermaßen gering.
Eine wichtige Rolle bei der Prognose der Marktzinsen spielt für die Banken auch der künftige Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB). Dabei traten durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Instituten hervor.
Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg zum Beispiel sagte: "Wir werden quantitative Maßnahmen sehen, weil die EZB von der Deflationsangst umgetrieben ist." Niklasch geht davon aus, "dass uns das Niedrigzinsumfeld noch lange erhalten bleiben wird - vielleicht länger, als für uns gut ist".
Zu großangelegten Wertpapierkäufen (Quantitative Easing - QE) meinte Jens Kramer von der NordLB: "Ob QE kommt oder nicht, wird stark von den Inflationsdaten der kommenden Monate abhängen." DZ-Bank-Volkswirt Meißner findet, dass die EZB, wenn sie ein solches Programm denn wirklich starten sollte, "ziemlich spät dran" wäre. "Aber es ist ja gut, wenn sie es denn tut", sagte er.
Strikt gegen Wertpapierkäufe sprachen sich dagegen Ulf Krauss (Helaba) und Cyrus de la Rubia (HSH Nordbank) aus. Sie wiesen auf die negativen Anreize für die Reformstaaten des Südens hin und vermuteten, dass angelsächsische Investoren bereits Staatsanleihen in Erwartung von QE gekauft haben.
Die aktuelle Prognose der VÖB-Banken sieht vor, dass die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in einem Jahr zwischen 2,00 und 2,45 Prozent liegen wird. Derzeit beträgt sie 1,48. Für zehnjährige US-Papiere werden 3,25 bis 3,70 (derzeit: 2,63) Prozent prognostiziert.
Kontakt zum Autor: hans.bentzien@wsj.com
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May 08, 2014 07:32 ET (11:32 GMT)
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