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03.10.2016 16:50:48

MÄRKTE EUROPA/London auf Jahreshoch - Brexit-Planung drückt Pfund

   Von Thomas Leppert

   FRANKFURT (Dow Jones)--Während die Börse in Deutschland am Tag der Deutschen Einheit geschlossen bleibt, erleben die Aktienmärkte in Europa einen ruhigen Wochenstart. Mit einer Ausnahme: An der Börse in London steigen die Kurse kräftig. Hintergrund ist das schwache Pfund, denn nachdem die Politik am Wochenende einen konkreten Fahrplan für den Austritt aus der EU vorgelegt hat, stürzt die britische Währung zum Euro zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand seit 2011 ab und zum Dollar in die Nähe ihres Jahrestiefs von Anfang Juli.

   Der Euro-Stoxx-50 notiert am Nachmittag 0,2 Prozent leichter bei 2.996 Punkten, der Stoxx-50 stagniert bei 2.842 Punkten und der FTSE-100 steigt in London um 1,0 Prozent auf 6.968 Punkte und damit auf den höchsten Stand in diesem Jahr.

   Rückenwind kommt aber auch von den neuesten Einkaufsmanagerindizes. Sie sind europaweit gut ausgefallen und stützen Konjunkturhoffnungen. Auch aus China kamen ermutigende Einkaufsmanagerindizes.

Brexit-Pläne drücken Pfund und stützen Aktien Die britische Premierministerin Theresa May hat am Wochenende einen Zeitplan für die Rückkehr in die Selbstständigkeit Großbritanniens vorgelegt. Der formale Brexit soll bis Ende März 2017 ausgelöst werden. May unterstrich dabei, dass die Kontrolle der Einwanderung Priorität habe vor Zugeständnissen für einen Zugang zum EU-Binnenmarkt.

   "Je limitierter der Zugang zum EU-Binnenmarkt, desto schlechter ist das für das Pfund", kommentieren die Analysten von RBC. Gegen den Dollar fällt das Pfund vorübergehend auf ein Siebenwochentief. Für Aktien exportsensibler Unternehmen in Großbritannien ist das positiv. Dessen ungeachtet ist das Pfund von seinen Tagestiefs zumindest wieder etwas zurückgekommen, nachdem der britische Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe deutlich besser ausgefallen ist, als von Experten erwartet worden ist.

   "Die Wiederbelebung in den vergangenen zwei Monaten war überraschend stark und bringt den Sektor in eine Position, um im dritten Quartal einen positiven Wachstumsbeitrag zu leisten", kommentierte Markit-Ökonom Rob Dobson. "Das schwache Pfund bleibt die Hauptantriebsfeder und sorgt für Neuaufträge aus Asien, Europa, den USA und einer Reihe von Schwellenländern."

Fusion treibt Finanzdienstleister Die Investmentfirmen Henderson Group und Janus Capital Group schließen sich zusammen. Dies dürfte nicht der letzte Zusammenschluss der Branche gewesen sein. Vielmehr rechnet Jefferies Analyst Phil Dobbin damit, dass der Sektor vor einer Konsolidierungsrunde steht. Der Sektorindex der europäischen Finanzdienstleister steigt um 1,0 Prozent. Das kombinierte Unternehmen aus Henderson und Janus hätte eine Marktkapitalisierung von rund 6 Milliarden Dollar.

   Das Zusammengehen von Henderson und Janus sei sinnvoll, da Janus stark in den USA und in Japan vertreten sei, Henderson dagegen in Großbritannien, Europa und Australien. Auch die Produkte der beiden Unternehmen ergänzten sich zudem gut, so Dobbin. Henderson hat zudem gemeldet, dass die Assets under Management per Ende August über die Marke von 100 Milliarden Pfund gestiegen seien. Dieser Wert liegt nach Aussage des Analysten deutlich oberhalb der Markterwartung. Henderson legen in London um 17 Prozent zu, Janus Capital steigen an der Wall Street um 14 Prozent.

Jobkahlschlag bei der ING Der Jobkahlschlag in der europäischen Bankenlandschaft geht weiter. Nachdem in der vergangenen Woche die deutsche Commerzbank den Wegfall tausender Stellen angekündigt hat, zieht zum Wochenauftakt nun die niederländische Bank ING nach. Die Niederländer kündigten im Rahmen eines großangelegten Restrukturierungsprogramms an, dass 7.000 Arbeitsplätze in den kommenden Jahren wegfallen würden. Die ING setzt wie die Commerzbank künftig vor allem auf die Digitalisierung der Geschäftsprozesse und will in diesen Bereich 800 Millionen Euro investieren. Die ING erhofft sich aus dem Stellenabbau bis zum Jahr 2021 jährliche Einsparungen von 900 Millionen Euro. Die Aktie handelt 1 Prozent leichter bei 10,83 Euro.

   Die Hoffnungen auf eine Einigung der Deutschen Bank mit den US-Behörden und eine von der Bank stemmbare Strafzahlung haben unterdessen einiges an Sorgen aus dem Markt genommen und machen die Anleger wieder mutiger. Wegen der Bedeutung der Bank als eines der größten Clearing-Häuser der Welt hatte die Angst um eine von ihr ausgehende Ansteckung der Finanzbranche weltweit zuletzt stärker auf die Stimmung gedrückt. Dies dürfte nun ausgepreist werden, heißt es.

   Bei der Aktie der Deutschen Bank selbst kommt es nach dem kräftigen Plus am Freitag zu Gewinnmitnahmen. Auf der Handelsplattform Tradegate geht sie Aktie mit 11,30 Euro um und notiert damit 3 Prozent schwächer. Der europäische Branchenindex der Banken notiert 0,4 Prozent im Minus.

   Mit einem Kurssprung um rund 13 Prozent auf 42,60 Euro reagieren die im TecDax notierten MorphoSys ebenfalls auf Tradegate auf eine erfolgreiche Studie. Ein zusammen mit dem Pharmakonzern Janssen entwickeltes Medikament gegen Schuppenflechte hat offenbar die klinischen Studienziele erreicht. Die Analysten von Bryan Garnier heben darauf ihr Kursziel auf 64 nach 62 Euro an und unterstreichen, dass das Morphosys-Produkt sehr konkurrenzfähig aussehe.

=== INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD Euro-Stoxx-50 2.995,51 -0,22 -6,73 -8,32 Stoxx-50 2.842,19 -0,03 -0,98 -8,32 DAX Feiertag FTSE 6.973,08 1,07 73,75 11,71 CAC 4.445,79 -0,06 -2,47 -4,12 Bund-Future 165,51% -0,25 8,78

DEVISEN zuletzt +/- % Mo, 8:52 Fr, 17:24 % YTD EUR/USD 1,1210 -0,20% 1,1232 1,1242 +3,2% EUR/JPY 113,8354 +0,03% 113,7965 113,86 -24,8% EUR/CHF 1,0913 -0,02% 1,0916 1,0902 +0,3% EUR/GBP 0,8742 +0,64% 0,8700 1,1577 +18,7% USD/JPY 101,57 +0,25% 101,31 101,28 -13,5% GBP/USD 1,2826 -0,67% 1,2913 1,3015 -13,0%

ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD WTI/Nymex 48,02 48,24 -0,5% -0,22 +10,8% Brent/ICE 50,03 50,19 -0,3% -0,16 +12,0%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold (Spot) 1.311,50 1.314,55 -0,2% -3,05 +23,6% Silber (Spot) 18,95 19,16 -1,1% -0,21 +37,1% Platin (Spot) 1.006,50 1.027,43 -2,0% -20,93 +12,9% Kupfer-Future 2,18 2,21 -1,6% -0,04 +1,0% === Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

   DJG/thl/flf

   (END) Dow Jones Newswires

   October 03, 2016 10:20 ET (14:20 GMT)

   Copyright (c) 2016 Dow Jones & Company, Inc.- - 10 20 AM EDT 10-03-16

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