09.12.2013 16:34:33

EZB-Direktor Mersch: Wir haben noch Pfeile im Köcher

    FRANKFURT (dpa-AFX) - EZB-Direktor Yves Mersch hat bekräftigt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) trotz Leitzinsen nahe Null noch geldpolitischen Spielraum hat. "Worum es mir geht, ist nicht die Vorankündigung von Maßnahmen", sagte der Luxemburger am Montag in Frankfurt. Vielmehr wolle er klarstellen, dass die Notenbank durchaus Pfeile im Köcher habe, von denen - falls notwendig - Gebrauch gemacht werden könne.

    Mersch sprach verschiedene Instrumente an, die seit längerem sowohl in der Notenbank als auch unter Beobachtern und an den Finanzmärkten diskutiert werden. Dazu zählt die Möglichkeit, den Zins für Bankeinlagen bei der EZB in den negativen Bereich zu senken, die Vergabe zusätzlicher Langfristkredite an die Geldhäuser und der direkte Ankauf von Wertpapieren (quantitative Lockerung).

    Mersch erklärte, dass alle Optionen Vor- und Nachteile aufweisen. So könnten negative Einlagezinsen etwa das allgemeine Zinsniveau drücken und damit die Konsum- und Investitionsneigung stärken. Auf der anderen Seite würde ein negativer Einlagezins die Profitabilität der Banken beeinträchtigen, weil Überschussliquidität dann Kosten mit sich bringe. Damit bestünde die Gefahr, dass die Banken die zusätzlichen Kosten auf ihre Kunden überwälzen.

    Gegen die Möglichkeit zweckgebundener Langfristkredite zur Ankurbelung der Kreditvergabe spricht laut Mersch der damit verbundene Eingriff in die Mittelverwendung auf Bankenseite. "Das wiederum stellt einen weitreichenden Eingriff in das Marktgeschehen dar." Andererseits könnte mit einer Zweckbindung vermieden werden, dass die Geldhäuser die Kredite, anstatt sie an Unternehmen und Verbraucher auszureichen, in Staatsanleihen ihrer jeweiligen Heimatländer investieren. Dies war während der ersten beiden Notkredit-Runden Ende 2011 und Anfang 2012 geschehen, was die gegenseitige Abhängigkeit von Staaten und Banken verstärkt hat.

    Zur unmittelbaren Steuerung der Langfristzinsen über Wertpapierkäufe, wie gegenwärtig von vielen anderen großen Notenbanken betrieben, sagte Mersch: "Nur in Ausnahmezuständen können direkte Käufe von Wertpapieren durch die Zentralbank dazu dienen, akutes Marktversagen zu korrigieren. In der Regel ist es jedoch vorzuziehen, dass die Gesamtheit der Marktakteure geeignete Preise ermittelt." Darüber hinaus setze sich eine Notenbank damit einem höheren Bilanzrisiko aus./bgf/jkr

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