Systemische Kreditrisiken 01.04.2023 22:43:00

BofA-Umfrage: Fondsmanager fürchten wieder vermehrt eine Rezession

BofA-Umfrage: Fondsmanager fürchten wieder vermehrt eine Rezession

• Hohe Teuerung nicht mehr die größte Sorge unter Profi-Investoren
• Rezessionssorgen nehmen zu
• Ausverkauf an den europäischen Börsen befürchtet


Nachdem im Winter sowohl der befürchtete Gasmangel als auch eine Rezession vermieden werden konnten, wurden die Anleger in den ersten beiden Monaten 2023 wieder vorsichtig optimistisch, was sich in steigenden Aktienkursen zeigte. Doch dann ging Anfang März die Silicon Valley Bank (SVB) Pleite und auch weitere mittelgroße US-Banken gerieten in eine Krise - verursacht durch die stark angestiegenen Leitzinsen in Verbindung mit hausgemachten Problemen.

Investoren-Stimmung hat sich gedreht

Diese Bankenkrise in den USA hat somit gezeigt, dass es ein Irrtum war anzunehmen, die enormen Zinserhöhungen mit denen die US-Notenbank die ausufernde Inflation bekämpft, hätten keine nennenswert negativen Auswirkungen auf Banken und Konjunktur. Und so hat sich die Stimmung unter den Fondsmanagern inzwischen gedreht. Dies geht aus einer vielbeachteten monatlichen Umfrage der Bank of America (BofA) hervor, an der im März weltweit 212 Portfoliomanager teilnahmen und die der Börse am Sonntag vorliegt.

Demnach werden Inflationssorgen erstmals seit neun Monaten nicht mehr als größtes Risiko für die Märkte eingestuft. Stattdessen landete die Sorge vor lauernden systemischen Kreditrisiken - also die Gefahr von Kreditausfällen oder das wachsende Risiko einer Kreditklemme weil, Banken nach den jüngsten Ereignissen womöglich vorsichtiger bei ihrer Kreditvergabe werden - auf dem ersten Platz. So sehen im März 31 Prozent dieser Profi-Investoren ein "systemisches Kreditereignis" als die aktuell größte Bedrohung für die Börsen. Sorgen machen sie sich insbesondere um den Immobiliensektor sowie die vergleichsweise lasch regulierten Schattenbanken - dazu zählen beispielsweise Wagniskapitalgeber und Private-Equity-Fonds für nicht-börsliche Unternehmensbeteiligungen.

Rezessionssorgen nehmen zu

Außerdem befürchten nun 42 Prozent der Befragten wieder eine globale Rezession innerhalb der nächsten zwölf Monate, das sind fast doppelt so viel, wie noch im Vormonat (Februar: 24 Prozent). Von einer Rezession spricht man üblicherweise dann, wenn die Wirtschaftsleistung in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den jeweils vorangegangenen Quartalen sinkt.

Außerdem ist der BofA-Sentiment-Indikator, der die Erwartungen von Investoren an das Wirtschaftswachstum, die Bargeldquoten und die Aktien-Positionierung in den Portfolios widerspiegelt - im März deutlich gefallen. Zu beachten ist jedoch, dass diese Umfrage der BofA zwischen dem 10. und 16. März und somit nach dem Zusammenbruch der SVB aber noch vor Bekanntgabe der Notübernahme der Credit Suisse durch die Lokalrivalin UBS durchgeführt wurde.

Folgen für den europäischen Aktienmarkt

Für Europa erwarten laut TiAM Fundresearch inzwischen sogar 61 Prozent in den nächsten zwölf Monaten eine Rezession (Februar: 55 Prozent). Daher rechnen die Fondsmanager auch mit einem Ausverkauf an den Börsen: So sehen 66 Prozent der Umfrageteilnehmer in den kommenden Monaten weiteres Abwärtspotenzial für europäische Aktien, nachdem es im Vormonat nur 53 Prozent waren. Mittelfristig werden die Aussichten jedoch optimistischer eingeschätzt: Wie auch schon im Februar so sehen auch im März 55 Prozent für die nächsten zwölf Monate Aufwärtspotenzial bei europäischen Aktien.

Redaktion finanzen.at

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