01.09.2022 16:11:42
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Regierung chartert weiteres Flüssiggasterminal
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Das Bundeswirtschaftsministerium hat ein fünftes schwimmendes Flüssigerdgasterminal gechartert. Das gab Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bei einer Pressekonferenz mit Unternehmensvertretern bekannt. Es solle bis zum Winter 2023/2024 zur Verfügung stehen und so einen weiteren Baustein liefern, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten. Damit komme zu den bislang vier staatlich gemieteten Spezialschiffen eine fünfte Floating Storage and Regasification Unit (FSRU) hinzu.
Das zusätzliche FSRU kommt laut den Angaben erneut nach Wilhelmshaven, wo bereits eines der vier ersten Spezialschiffe anlanden werde. Dieses fünfte Spezialschiff habe eine Kapazität von mindestens 5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr und solle im vierten Quartal 2023 in Betrieb gehen. Excelerate, der Eigentümer des Schiffes, werde das FSRU dem Konsortium aus den Unternehmen Tes/Eon/Engie bereitstellen und es technisch betreiben sowie weitere erforderliche Dienstleistungen erbringen.
Parallel werde Tes eine Anlandung von grünem Wasserstoff am Terminal in Wilhelmshaven aufbauen. Das Unternehmen strebt laut Wirtschaftsministerium an, den Import grünen Wasserstoffs bereits während der ersten zwölf Monate des Betriebs des FSRU nahtlos zu integrieren. Ziel sei es, das FSRU mit der Anlandung von LNG nur so lange am Standort Wilhelmshaven zu betreiben, bis das Wasserstoff-Terminal für grünes Gas in Betrieb genommen werde - dies werde nach Informationen von Tes voraussichtlich 2025 der Fall sein.
"Mit dem Import von Flüssigerdgas machen wir uns unabhängiger von Importen russischen Pipelinegases", betonte Habeck. "Gleichzeitig bauen wir parallel die Anlandung von grünem Wasserstoff auf und machen Wilhelmshaven so zu einem wichtigen Anlandepunkt für sichere und nachhaltige Energie in Europa."
Keine Rolle rückwärts geplant
Die Unternehmen erklärten in einer Pressemitteilung, die geplante jährliche Importkapazität von etwa 5 Milliarden Kubikmetern entspreche etwa 5 Prozent des Jahresverbrauchs in Deutschland. Das Terminal trage dazu bei, die Energiesicherheit Europas und Deutschlands zu verbessern, die Energieunabhängigkeit zu beschleunigen und bis zur Mitte des Jahrhunderts das ambitionierte Ziel von Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
Gabriel Clemens, der CEO der Eon Green Gas-Einheit, betonte bei der Pressekonferenz, niemand solle "auf die Idee kommen, Eon mache hier eine Rolle rückwärts zu fossiler Energie". Vielmehr wolle man alle Zeichen schnellstmöglich "auf Grün" stellen.
Die Regierung hat laut Ministerium bereits im Frühjahr vier schwimmende Flüssigerdgasterminals ebenfalls mit einer Kapazität von je mindestens 5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr gechartert. Zwei der vier staatlichen FSRU sollen demnach bereits zum Jahreswechsel 2022/2023 in Brunsbüttel und Wilhelmshaven an den Start gehen.
Am Standort Wilhelmshaven solle die Hoegh Esperanza ab dem Jahreswechsel 2022/2023 in Betrieb gehen. Bauarbeiten und Genehmigungsverfahren schritten gut voran. In Brunsbüttel solle das weitere Hoegh-Schiff zum Jahreswechsel 2022/23 stationiert werden. Das dritte und vierte FSRU wird laut den Angaben in Stade respektive Lubmin stehen.
Insgesamt sollen nach Habecks Angaben über die schwimmenden Flüssiggasterminals zum Winter 2023/2024 mindestens 25 Milliarden Kubikmeter an Kapazität aus staatlichen FSRU bereitstehen. Hinzu dürften mindestens 4,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr aus dem privaten Projekt in Lubmin kommen. Zusammen könne damit allein aus den FSRU der bisherige Gasbedarf von 90,5 Milliarden aus dem Basisjahr 2021 zu etwa einem Drittel gedeckt werden.
Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com
DJG/ank/smh
(END) Dow Jones Newswires
September 01, 2022 10:12 ET (14:12 GMT)
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