Konzern im Fokus |
21.05.2019 08:34:42
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Kering macht mit seinem Wachstumskurs Investoren glücklich
DIE LAGE DES UNTERNEHMENS:
Nachdem Kering zuletzt aufgrund einer Steueruntersuchung durch die italienischen Behörden in die Schlagzeilen geriet, konnte sich der Konzern nach langen Verhandlungen mit Italien auf eine Zahlung von 1,25 Milliarden Euro einigen. Hintergrund ist eine Untersuchung in Mailand, die seit 2017 lief. Für Aktivitäten der schweizerischen Tochter Luxury Goods International in Italien wurden zusätzliche Steuern inklusive Zinsen fällig. Es ist eine der höchsten Steuernachzahlungen eines Konzerns in Italien.
Der Steuerstreit hat Kering im öffentlichen Ansehen geschadet. Denn das Unternehmen hat sich selbst hohen ethischen Standards verschrieben. Die Steueruntersuchung passte da kaum ins Bild und hing wie eine dunkle Wolke über den Franzosen, monierten Marktbeobachter. Mit der Einigung endete eine fast zwei Jahre währende Phase der Ungewissheit.
Zum weltweit agierenden Mode- und Accessoires-Konzern gehören namhafte Töchter wie Brioni, Yves Saint Laurent, Bottega Veneta und Gucci. Mit diesen Marken machen die Franzosen gute Geschäfte. Kering war vor zehn Jahren bei Puma eingestiegen, doch keine Seite konnte davon profitieren. Schließlich beschloss Kering vergangenes Jahr den Strategie-Schwenk: Die Anteile an Puma schraubten die Franzosen von 86 auf nur noch rund 16 Prozent herunter. Die klare Fokussierung auf das Luxussegment ist Teil der Vision von Konzernchef François-Henri Pinault, in deren Zuge das Segment "Sport & Lifestyle" mittlerweile komplett aufgelöst wurde.
Die Luxusgüterbranche steht im aktuellen Umfeld noch ganz gut da: So ist etwa die Nachfrage aus China trotz der konjunkturellen Eintrübung weitgehend stabil geblieben. Geopolitische Risiken dürfen zwar nicht außer Acht gelassen werden, aber bislang scheint sich Kering von mancherlei Sorgen der Branche freimachen zu können. Der Konkurrent von HUGO BOSS hatte zwar einen eher vorsichtigen Ausblick auf das laufende Jahr gegeben, doch die zuletzt präsentierten Umsatzzahlen geben durchaus Anlass zu Optimismus.
Die italienische Modemarke Gucci wuchs abermals stark. Sie trägt gut 60 Prozent des Umsatzes bei. Die Abhängigkeit vom Erfolg der italienischen Nobelkette ist also nicht von der Hand zu weisen. Gucci wuchs in den letzten Jahren deutlich stärker als der Luxusgütersektor - allerdings zeigten sich Experten bei den jüngsten Umsatzzahlen der Marke nicht mehr ganz so begeistert wie früher, denn die Wachstumsdynamik schwäche sich ab.
Am Image feilt Kering unterdessen weiter: Für Aufsehen sorgten die Franzosen zuletzt mit der Ankündigung, keine minderjährigen Models bei Fotoaufnahmen oder Modeshows posieren zu lassen. Ab der Herbst/Winterkollektion 2020 soll diese Vorgabe bei Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent umgesetzt werden. Sowohl Kering als auch Konkurrent LVMH (LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton) (Louis Vuitton Moët Hennessy) war in der Vergangenheit von Kritikern immer wieder Magerwahn und Sexismus bei ihren Marken vorgeworfen worden.
DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:
Die Kering-Aktie steht bei der Mehrzahl der 16 im dpa-AFX-Analyser gelisteten Experten hoch im Kurs. Gleich elf Analysten raten zum Kauf und vier zum Halten. Lediglich ein Experte empfiehlt, sich von den Papieren zu trennen. Das durchschnittliche Kursziel der an der Pariser Börse und im Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gelisteten Anteilsscheine liegt bei 550 Euro - und damit aktuell deutlich über dem gehandelten Kurs.
Zuletzt gab es überwiegend positive Marktkommentare zu den Kering-Papieren. Analyst Edouard Aubin von der US-Investmentbank Morgan Stanley wies darauf hin, dass im bisherigen Jahresverlauf Chinesen bei Luxusgütern stärker zugegriffen hätten als gedacht. Die Perspektiven für die chinesische Wirtschaft blieben zudem recht robust. Dank der hohen Profitabilität des Luxusgüterherstellers sei die Bewertung der Aktie weiterhin attraktiv, so Analyst Rogerio Fujimori vom Analysehaus RBC. Im Bereich der Luxusgüterhersteller stelle die Aktie ein Kerninvestment dar.
Das sieht auch Goldman Sachs so. Die Analysten haben ihr Kursziel nach den jüngsten Zahlen noch weiter angehoben - nämlich auf 593 Euro und die Aktie auf der "Conviction Buy List" belassen.
DAS MACHT DIE AKTIE:
In den zurückliegenden fünf Jahren hat sich der Kurs der Kering-Aktie gut entwickelt. Von um die 150 Euro Ende 2014 ging es auf aktuell über 500 Euro nach oben. Erst Mitte April dieses Jahres erreichten die Papiere ein Rekordhoch von fast 540 Euro, das kurz nach Bekanntgabe der Umsatzzahlen (18.4.) jedoch um rund 5 Prozent absackte. Hintergrund waren laut Einschätzung der Analysten von Independent Research Gewinnmitnahmen nach dem deutlichen Kursanstieg seit Jahresbeginn.
Zwar war gerade zwischen vergangenem Herbst und diesem Frühjahr ein Einbruch zu verzeichnen, die Papiere stürzten im Oktober in Richtung der 350-Euro-Marke ab. Doch seit Mitte Februar zeigt der Trend wieder klar aufwärts. Von ihrem April-Hoch sind die Kering-Anteilsscheine aktuell aber noch ein gutes Stück entfernt. Doch für die Anleger weist Kering eine ansehnliche Bilanz auf: Im Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 sind die Aktien aktuell seit Jahresanfang der beste Wert mit einem Plus von fast 40 Prozent.
/eas/elm/stk/fba
PARIS (dpa-AFX)
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