16.10.2014 17:00:00
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Zeitarbeitsbranche: "Akzeptanz der Arbeitsform noch ausbaufähig"
"Wenn ich mir anschaue, was Betriebe alles leisten, gibt es keinen Grund, bei einem durchschnittlichen Personaldienstleister von einem schlechten Image zu sprechen", so Gerhard Flenreiss, Fachgruppenobmann der Gewerblichen Dienstleister in der Wiener Wirtschaftskammer (WKW). "Jeder Arbeitnehmer ist bei uns viel besser aufgehoben als bei einem kleinen Bauunternehmen." Im Oktober wurde in Wien eine neue Kampagne der Arbeitskräfteüberlasser gestartet, um die Relevanz von Zeitarbeit im Alltag zu zeigen.
Nicole Gamauf, Mitglied der Berufsgruppe der Personaldienstleister in der WKW und Leiterin der Bereiche Recht und Human Resources bei Trenkwalder Österreich, untermauerte die Wichtigkeit der Personaldienstleister mit einer Studie der internationalen Vereinigung der Zeitarbeitsverbände (CIETT). Demnach können 66 Prozent der Unternehmen ohne Einsatz von Zeitarbeitnehmern ihre Aufträge nicht erfüllen. 46 Prozent der heimischen Unternehmen würden ohne Zeitarbeit in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gehemmt und 38 Prozent würden an Umsatz verlieren. 15 Prozent der Unternehmen würden teilweise Arbeitsplätze ins Ausland verlagern.
Auf die Frage, ob aktuell auch der Fall Amazon für das schlechtes Licht der Branche verantwortlich sein könnte, sagte Gamauf, dass in Deutschland rechtlich eine völlig andere Situation herrsche und man das nicht vermischen dürfe. Trenkwalder stellt für Amazon in Deutschland Zeitarbeiter bereit, wobei die Arbeitsverhältnisse in die öffentliche Kritik geraten sind.
"Der österreichische Konzern Trenkwalder muss in seinen einzelnen operativen Gesellschaften die Gesetze in den jeweiligen Ländern einhalten", so Gamauf. Dazu Flenreiss über die österreichischen Arbeitsüberlasser: "Was die österreichischen Betriebe für die Arbeitnehmer leisten, ist in Europa einzigartig."
Neben der aktuellen Kampagne für ein besseres Image beschäftigt die Personaldienstleister die geplante Kürzung der Eingliederungsbeihilfe durch das Arbeitsmarktservice (AMS) Wien. Dabei handelt es sich um ein Förderungsangebot des AMS in Form eines Zuschusses zu den Lohnkosten für Arbeitgeber, wenn vorgemerkte Arbeitslose eingestellt werden.
Die Maßnahme soll von 30 auf 10 Mio. Euro gekürzt werden und sei insbesondere für Arbeitskräfteüberlasser, die dadurch viele Personen erfolgreich in den Arbeitsmarkt integrieren können, relevant. Denn 40 Prozent der Zeitarbeiter kämen aus der Arbeitslosigkeit und gleichzeitig würden nur 14 Prozent wieder in die Arbeitslosigkeit zurückkehren.
"Die geplanten Einschnitte sind ein völlig falsches arbeitsmarktpolitisches Signal. Damit kommt eines der effizientesten Instrumente des AMS unter die Räder, während gleichzeitig weniger wirksame Maßnahmen beibehalten werden", so Flenreiss. Man appelliere an den Sozialminister für eine Beibehaltung. "Man kann stattdessen etwa sinnlose Bewerbungskurse streichen."
(Schluss) sab/kan
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