19.12.2013 14:19:00

Wifo/IHS: Wirtschaft wächst ab 2014 wieder, aber auch Zahl Jobloser

In den nächsten beiden Jahren wächst Österreichs Wirtschaft wieder kräftiger - real um je 1,7 Prozent, 2015 vielleicht noch mehr. Aber auch die Arbeitslosigkeit steigt und könnte dann so hoch bleiben. Das sagen Wifo und IHS in ihren neuen Konjunkturprognosen. "Die Krise ist noch nicht vorbei", warnte Wifo-Chef Karl Aiginger am Donnerstag vor Journalisten.

Für 2014 erwarten beide Institute 1,7 Prozent BIP-Plus, für 2015 hält das IHS eine Beschleunigung auf 2,0 Prozent für möglich. Angekurbelt wird das Wachstum von investitionsfreudigeren Firmen - und einer Belebung des Außenhandels, für Aiginger der "Star" der aktuellen Prognose. Auch der Privatkonsum legt zu, stützt laut Wifo den Aufschwung aber noch nicht.

Der Privatkonsum soll sich erholen und rund ein Prozent jährlich zulegen. Auch weil es bereits einen Ausgabenrückstau bei Privaten gebe, erinnerte Wifo-Experte Marcus Scheiblecker an die zeitweise zweistellig gesunkenen Pkw-Neuzulassungszahlen; irgendwann müssten sich die Menschen wieder ein neues Auto kaufen. Der heurige reale Rückgang des Privatkonsums sei "die" Enttäuschung des Jahres, sagte Aiginger, immerhin das erste Minus in einem Gesamtjahr seit 1997.

Jedoch bleibt der Privatkonsum wegen der mäßigen Lohnentwicklung und der angespannten Arbeitsmarktlage weiter schwach. "Die leichte Erhöhung der realen Bruttoverdienste pro Kopf wird durch die sich daraus ergebende Zunahme der Steuer- und Abgabenleistung aufgezehrt", sagt das Wifo, "die realen Nettoeinkünfte pro Kopf stagnieren." Die heuer besonders niedrigen Sparquoten - die ein noch stärkeres Absacken des Privatkonsums verhindert haben - sollen bei den Haushalten 2014 und 2015 wieder wachsen.

Für die 2013 gesunkenen Investitionen rechnen die Wirtschaftsforscher für die nächsten zwei Jahre mit einer deutlichen Ausweitung. Laut vorletztem Wifo-Konjunkturtest von November - dem dritten mit einer Auswärtsbewegung in Folge - hatten die Firmen wieder bessere Erwartungen, erstmals seit Mitte 2011 waren sie wieder mehrheitlich positiv gestimmt. Im Dezember-Test gab es dann aber laut Aiginger eine Seitwärtsbewegung. Genau aus diesem "negativen Teufelskreis" sei Österreich noch nicht heraußen, so Aiginger, es könne nämlich doch auch noch Dämpfer bei den Einschätzungen der Unternehmen geben.

Insgesamt schaukle die heimische Konjunktur nach oben, von einem besseren Fundament aus. Schlechte Nachrichten könnten aber durchaus auch wieder für Schaukelbewegungen nach unten sorgen. "Es ist noch nicht das Ende der Krise", betonte der Wifo-Chef: "Wir befinden uns auf einem niedrigen und nach wie vor labilen Erholungskurs." Auch der IHS-Leiter bleibt noch reserviert: "Die Lage stabilisiert sich, und wir kehren allmählich zu neuem Wachstum zurück."

Um Österreichs Wirtschaft krisenfester zu machen, müssten die Betriebe wettbewerbsfähiger werden und genug Eigenkapital haben, meinte Keuschnigg. Dann kämen sie besser durch Krisen und müssten nicht gleich Jobs abbauen. Auch die Investitionen würden deshalb stärker schwanken, also die unter Sozialpartner-Ägide gestalteten Lohneinkommen.

Zum Thema "Wohlstandsverteilung" ist Keuschnigg gegen einen "einfachen" Vergleich von Kapital- und Arbeitseinkommen. Zentral sei vielmehr die Verteilung der verfügbaren Einkommen, zweifellos mit eine Aufgabe des Staates. Denn Niedriglohnbezieher hätten ja zusätzlich auch noch hohe sozialstaatliche Ansprüche, das sei dann deren "Vermögen". Natürlich seien die Kapitaleinkommen "oben" konzentriert, in Österreich aber nicht wirklich stärker als anderswo.

Das Wachstum der Exporte und Importe soll sich 2014 beschleunigen, für übernächstes Jahr wird von den Instituten sogar ein noch stärkeres Plus von 6 Prozent oder mehr gesehen, nach knapp 5 oder bis zu 5 1/2 Prozent 2014. Bei den Ausfuhren stützt eine höhere Nachfrage etwa aus Deutschland oder den USA. In Deutschland, dem wichtigsten Absatzmarkt Österreichs, wird sich die Konjunktur weiter verbessern. Da die Ausfuhren kräftiger steigen als die Einfuhren verbessert sich die Leistungsbilanz weiter, der Überschuss dürfte von heuer 10 Mrd. auf 11 Mrd. nächstes und 12 Mrd. Euro 2015 steigen, dann bereits über 3 Prozent des BIP, "ein Signal für die derzeitige Wettbewerbsstärke Österreichs", so Aiginger. Bereits seit 2000 steige der Leistungsbilanzplus an.

Die Inflation, die in Österreich 2011 noch 3,3 Prozent und im Vorjahr 2,4 Prozent betragen hat, soll sich heuer auf zwei Prozent zurückbilden und kommendes Jahr weiter auf 1,8 (Wifo) oder 1,7 Prozent (IHS) sinken. Für 2015 sehen beide Institute dann 1,9 Prozent Teuerung.

Wermutstropfen der wirtschaftlichen Erholung ist die weiter zunehmende Arbeitslosigkeit - für einen Abbau ist die Konjunkturbeschleunigung zu schwach. Und: Das steigende Arbeitskräfteangebot kann durch die Zunahme der Beschäftigung nicht vollständig absorbiert werden, sagt das Wifo. Steigende Arbeitslosenquoten haben die Experten für 2014 schon bei der letzten Prognose vom Frühherbst erwartet, doch jetzt ist klar, dass hier auch 2015 kaum eine Verbesserung eintreten wird.

Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen dürfte laut Wifo heuer von 260.600 auf 286.600 wachsen und dann 2014 weiter steigen auf 302.600 und 2015 auf 304.600. Da sind aber noch keine Arbeitslosen in Schulung dabei, deren Zahl dürfte heuer von 66.600 auf 73.600 klettern und 2014/15 auf 77.600 und 80.600 im Jahresschnitt.

Die Zunahme der Zahl der unselbstständig aktiv Beschäftigten heuer um 20.000 und in den beiden Folgejahren um je 28.000 ist obendrein fast ausschließlich auf ausländische Arbeitskräfte zurückzuführen. 2014 wirkt sich zusätzlich die EU-Arbeitsmarktöffnung für Kräfte aus Bulgarien und Rumänien aus, wie Stefan Schiman vom Wifo erinnerte. Zudem gebe es am Arbeitsmarkt das Problem des Mismatch und unfreiwilliger Teilzeitarbeit, andererseits Überstunden und Burn-out bei anderen, sagte Aiginger.

Nach nationaler Berechnung rechnet das Wifo für 2014 mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote von 7,6 auf 7,9 Prozent, 2015 dürfte der Wert ebenso hoch bleiben. Ähnlich geht das IHS von einer Zunahme auf 7,8 Prozent im nächsten Jahr aus und erwartet für 2015 von 7,7 Prozent nur etwas weniger.

Laut Eurostat-Definition dürfte die Arbeitslosenrate 2014/15 bei 5,2 Prozent zu liegen kommen, nach 4,9 Prozent heuer. Das IHS dagegen rechnet für die nächsten zwei Jahre mit einer Seitwärtsbewegung, also keinem Rückgang.

Das gesamtstaatliche Defizit laut Maastricht sehen Wifo und IHS heuer zurückgehen auf 1,9 oder 1,8 Prozent des BIP, 2014 aber wieder leicht auf 2,0 oder 2,1 Prozent wachsen. Übernächstes Jahr soll dann eine Verbesserung auf 1,6 bzw. 1,7 Prozent der Wirtschaftsleistung eintreten.

Mit entsprechenden Anstrengungen ist das für 2016 angepeilte "strukturelle Nulldefizit" im heimischen Budget erreichbar, glaubt Aiginger. Das entspricht aber noch immer einem Maastricht-Defizit von 0,45 Prozent des BIP. Risiken seien, dass die EU-Kommission das Null-Ziel um ein Jahr vorverlege oder von einer schlechteren Potenzialprognose für Österreich ausgehe als das Wifo.

Auch IHS-Leiter Christian Keuschnigg sieht das Konsolidierungsprogramm "einigermaßen knapp kalkuliert". Damit es realisiert werden könne, sei ein strikter Budgetkurs nötig, eventuell müsse 2014/15 nachgebessert werden. Denn die minus 0,45 Prozent strukturelles Defizit seien "das absolute Minimum, das die Regierung gegenüber der EU-Kommission machen muss".

(GRAFIK 1480-13, Format 88 x 80 mm, GRAFIK 1481-13, Format 42 x 126 mm) (Schluss) sp/stf

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