25.06.2015 12:22:00

Weniger Firmenpleiten durch Wirtschaftsflaute

In Österreich gab es im ersten Halbjahr um zehn Prozent weniger Firmeninsolvenzen. Grund zum Jubeln ist es jedoch keiner. Die historisch niedrige Zinslage aufgrund der Wirtschaftsflaute wirke auf viele Unternehmen wie ein "Sauerstoffzelt", warnt der Kreditschutzverband. Bei anziehender Wirtschaftslage und steigenden Zinsen seien sie die ersten, die in die Insolvenz schlittern würden.

In den ersten sechs Monaten 2015 haben insgesamt 2.537 Unternehmen Insolvenz angemeldet, ein Minus von 10,3 Prozent, gab der Kreditschutzverband KSV 1870 am Donnerstag auf einer Pressekonferenz bekannt. Ihre Schuldenlast beträgt 811 Mio. Euro, deutlich weniger als noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damals betrug die Schuldenlast der Pleiteunternehmen über eine Milliarde Euro. Heuer haben die insolventen Firmen also über 25 Prozent weniger Schulden angehäuft. Für die Experten ein Indiz, das deutlich mehr Klein- und Mittelunternehmen in die Pleite gerutscht sind. Waren in der Vorjahresperiode 11.300 Mitarbeiter von Insolvenzen betroffen, sind es heuer 8.800 Mitarbeiter.

Im ersten Halbjahr gab es nur drei größere Firmenpleiten. Besorgniserregend sei aber, dass alle drei Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich stammen, so der KSV. Dazu gehörte die Ring-Bäckereigruppe mit acht Unternehmen, 500 Mitarbeitern und einer Insolvenzsumme von 22 Mio. Euro, gefolgt vom Fertigteilhaushersteller Hanlo und einem Bekleidungsunternehmen. Traditionell seien "die üblichen Verdächtigen" bei Insolvenzen in den Bereichen Bau und Tourismus zu finden. Diesmal sei dies anders.

Mittlerweile würden alle Branchen an der "zögerlichen Kaufneigung" der Verbraucher leiden, betonte Hans-Georg Kantner, Leiter der Abteilung Insolvenz beim Kreditschutzverband. Die Österreicher seien aber nicht nur bei privaten Ausgaben vorsichtig und müssen den Gürtel enger schnallen. Auch die Unternehmen würden sich vor Investitionen scheuen, so Kantner. Bei einem Anspringen der Wirtschaft müsse daher mit einem "Nachholeffekt" bei den Firmenpleiten gerechnet werden.

Im Bundesländervergleich melden alle Länder einen Rückgang, wobei in Vorarlberg mit fast 35 Prozent weniger Pleiten der höchste Wert erreicht wird, gefolgt von Tirol und dem Burgenland.

(GRAFIK 0741-15, Format 88 x 55 mm) (Schluss) ans/ggr

WEB http://www.ksv.at

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