08.07.2014 10:00:47
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Deutschlands Konjunktur stockt - auch Außenhandel enttäuscht
WIESBADEN (dpa-AFX) - Der Reigen schwacher Konjunkturdaten aus Deutschland setzt sich fort: Nach enttäuschenden Zahlen vom Einzelhandel und aus der Industrie präsentiert sich auch der Außenhandel im Mai von seiner schwachen Seite. Analysten zeigen sich vor allem wegen stark rückläufiger Einfuhren besorgt, weil sie auf einen verhaltenen Konsum hindeuten könnten. Viele Bankvolkswirte haben mittlerweile ihre Wachstumserwartungen für das zweite Quartal deutlich nach unten gesetzt. Die Dekabank schließt sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung nicht mehr aus. Es wäre der erste seit eineinhalb Jahren.
Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts vom Dienstag gingen die Einfuhren im Mai zum Vormonat ungewöhnlich deutlich um 3,4 Prozent zurück. Es ist der stärkste Rückgang seit Ende 2012. Der Rücksetzer kam überraschend, Bankvolkswirte hatten mit einem leichten Anstieg gerechnet. Verglichen mit einem Jahr zuvor sanken die Einfuhren um 0,4 Prozent. Auch die Ausfuhren - einer der Wachstumspfeiler Deutschlands - enttäuschten mit einem Minus von 1,1 Prozent.
KONJUNKTUR-LOKOMOTIVE PAUSIERT
Experte Christian Schulz von der Berenberg Bank relativierte die enttäuschenden Außenhandelszahlen zwar mit dem Hinweis, dass sie auf robuste Daten im Vormonat folgten. Die schwachen Einfuhren könnten aber ein Zeichen sein, dass der Konsum von dem insgesamt schwachen Wachstum in Mitleidenschaft gezogen werde. Allerdings verwies Schulz auch auf die späte Lage des diesjährigen Osterfestes, das - wie auch bei anderen schwachen Daten - verzerrt haben könnte.
Dennoch sind sich viele Analysten einig, dass Deutschland als Konjunkturlokomotive für den Euroraum vorerst ausfallen dürfte. Das zweite Quartal entwickele sich zusehends zu einer "Riesenenttäuschung", heißt es bei der Dekabank. Sollten die Daten im Juni - dem letzten Monat des zweiten Quartals - nicht besser ausfallen, drohe ein Rückgang der Wirtschaftsleistung, warnt Experte Andreas Scheuerle. Ob nun Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion, Auftragseingänge oder Außenhandel - die Konjunkturdaten für Mai waren durch die Bank schwach.
KEINE ANHALTENDE FLAUTE ERWARTET
Eine anhaltende Konjunkturflaute ist in den Augen vieler Ökonomen jedoch unwahrscheinlich. Denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind gut, insbesondere für den privaten Konsum: Der deutsche Arbeitsmarkt brummt, die Tariflöhne steigen deutlich, die Inflation ist niedrig. Außenwirtschaftlich stimmt die zusehends bessere Verfassung der weltgrößten Volkswirtschaft USA zuversichtlich, während sich in der zweitgrößten Wirtschaftsmacht China eine Stabilisierung abzeichnet. Als größte Konjunkturrisiken gelten unter Bankvolkswirten die zahlreichen politischen Krisenherde sowie die schwache Konjunktur in vielen Schwellenländern./bgf/hbr

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