07.10.2013 07:04:31
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Sanaa: Leibwächter der deutschen Botschafterin im Jemen getötet
SANAA (AFP)--Bei einem mutmaßlichen Entführungsversuch ist am Sonntag offenbar der Leibwächter der deutschen Botschafterin im Jemen getötet worden. Wie aus jemenitischen Sicherheitskreisen verlautete, wurde der deutsche Staatsbürger von Unbekannten in der Hauptstadt Sanaa erschossen. Angaben westlicher Diplomaten, wonach der Entführungsversuch der Botschafterin Carola Müller-Holtkemper galt, dementierten sowohl das jemenitische Außenministerium als auch deutsche Diplomaten.
Botschafterin Müller-Holtkemper befinde sich "derzeit" gar nicht im Jemen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Sonntagabend der Nachrichtenagentur AFP in Sanaa. Offenbar sei der Leibwächter der Botschafterin im Viertel Hadda Ziel eines Entführungsversuches gewesen und getötet worden, als er sich zur Wehr setzte. Auch deutsche Diplomaten sagten, Meldungen über einen Entführungsversuch der Botschafterin seien unzutreffend.
Zuvor hatte es aus westlichen Diplomatenkreisen geheißen, der Leibwächter sei bei dem Versuch, die Botschafterin vor einer Verschleppung zu bewahren, getötet worden. "Es gab den Versuch einer Entführung von Botschafterin Carola Müller-Holtkemper, als sie aus einem Geschäft in Hadda kam", hieß es aus westlichen Diplomatenkreisen. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte den Fall in dem Botschaftsviertel im Süden von Sanaa nicht. Es sei aber "intensiv um Aufklärung des Sachverhalts bemüht", sagte eine Ministeriumssprecherin.
Aus jemenitischen Sicherheitskreisen verlautete, bei dem Angriff im Viertel Hadda sei ein deutscher Botschaftsmitarbeiter getötet worden. Bewaffnete hätten aus einem Auto heraus geschossen. Den Angreifern sei die Flucht gelungen. Auch Augenzeugen bestätigten den Angriff. Sanitäter sagten, die Leiche des Leibwächters sei in ein deutsch-saudiarabisches Krankenhaus in Sanaa gebracht worden. Der Angriffsort wurde zu Ermittlungszwecken abgeriegelt.
Im Norden von Sanaa wurde derweil nach Angaben aus Diplomatenkreisen ein aus Sierra Leone stammender Mitarbeiter des UN-Kinderhilfswerks UNHCR entführt. Er sei mit einem jemenitischen Fahrer unterwegs gewesen, den die Kidnapper aber hätten laufen lassen.
Jemens Staatschef Abd Rabbo Mansur Hadi rief die Sicherheitskräfte am Sonntag auf, "ihre Bemühungen zur Umsetzung von Sicherheit und Stabilität zu intensivieren". Zudem sollten sie "weiter entschlossen gegen die terroristische Bedrohung" kämpfen, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Saba den Präsidenten.
Ausländer werden im Jemen immer wieder Opfer von Angriffen und Entführungen. Das Terrornetzwerk Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel hält seit März 2012 den saudiarabischen Vize-Konsul in Aden, Abdullah al-Chalidi, in seiner Gewalt. Auch ein Mitarbeiter der iranischen Botschaft in Aden wurde im Juli entführt.
Die deutsche Botschaft war eine der westlichen Vertretungen im Jemen, die nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes zuletzt von Al-Kaida bedroht worden waren. Im August blieb die deutsche Botschaft deswegen zwei Wochen lang geschlossen.
Auch andere westliche Staaten wie Großbritannien, Frankreich und die USA machten ihre Botschaften in Sanaa vorübergehend dicht. Für den ganzen Jemen gilt derzeit eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.
DJG/hab
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October 07, 2013 00:32 ET (04:32 GMT)- - 12 32 AM EDT 10-07-13
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