15.05.2013 11:08:32
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Ökonomen senken Daumen für deutsche Wachstumsaussichten
Von Hans Bentzien
Nach einem unerwartet schwachen Start ins Jahr 2013 haben Ökonomen ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr deutlich gesenkt. Selbst die sehr konservative Prognose der Deutschen Bundesbank könnte sich nun als zu optimistisch erweisen. Weil das Wachstum zu Jahresbeginn vom ungewöhnlich langen und harten Winter belastet wurde, rechnen die Volkswirte aber für das zweite Quartal mit einigen Nachholeffekten.
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im ersten Quartal 2013 nur um 0,1 Prozent gestiegen. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten ein Plus von 0,3 Prozent erwartet. Weil darüber hinaus der BIP-Rückgang im vierten Quartal 2012 etwas stärker als bisher angenommen war, wird das Wachstum im Jahresdurchschnitt 2013 von einem noch höheren statistischen Unterhang belastet.
"Mehr als 0,3 Prozent werden es 2013 wohl nicht mehr", sagte Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe. Bisher hatte Krüger einen Zuwachs von 0,9 Prozent erwartet. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer senkte seine Prognose von 0,5 auf 0,2 Prozent. "Wir berücksichtigen damit auch, dass die ifo-Geschäftserwartungen und der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie im März und April deutlich gefallen sind", sagte er.
Thomas Harjes von Barclays Capital sah "starke Abwärtsrisiken" für die Wachstumsprognose seines Hauses von 1,0 Prozent. Evelyn Herrmann von BNP Paribas sagte, die schwachen Daten für viertes und erstes Quartal senkten ihre Prognose quasi automatisch von 1,0 auf 0,6 Prozent. Die offizielle Prognose, die derzeit überarbeitet wird, könnte noch etwas niedriger ausfallen, merkte sie an.
Die Deutsche Bundesbank erwartet bisher einen BIP-Anstieg von rund 0,5 Prozent. Diese recht zurückhaltende Prognose könnte in den nächsten Wochen ebenfalls revidiert werden.
Der starke BIP-Rückgang im vierten Quartal 2012 bewirkt, dass der Anstieg der Wirtschaftsleistung 2013 von einer niedrigeren Basis aus erfolgt. Diesen so genannten Unterhang bezifferte das Statistische Bundesamt bisher auf 0,3 Prozent. Nach der Revision der BIP-Rate von minus 0,6 auf minus 0,7 Prozent dürfte der Unterhang aber noch höher sein.
Mit Blick auf den BIP-Verlauf sind die Ökonomen alles andere als pessimistisch. So rechnet UniCredit-Ökonom Andreas Rees damit, dass die Bauwirtschaft nach dem Ende des Winters bereits wieder voll Fahrt aufgenommen hat. "Zwischen den Auftragseingängen am Bau und der Produktion hat sich eine kolossale Lücke aufgetan." Darüber hinaus steht nach Rees' Einschätzung bei den Investitionen eine deutliche Wende bevor. Für das zweite Quartal rechnet UniCredit mit einem BIP-Anstieg von 0,6 oder 0,7 Prozent.
Im ersten Quartal ist das deutsche BIP nur um 0,1 Prozent gestiegen, deutlich weniger stark als mit 0,3 Prozent erwartet. Gestützt wurde das Wachstum allein vom privaten Konsum, der unter anderem von der hohen Beschäftigung profitiert.
Nach Aussage von Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe lässt der in Bayern erzielte Pilotabschluss für die deutschen Metall- und Elektroindustrie auf eine stabile Einkommensentwicklung und anhaltende Wachstumsimpulse von Konsum hoffen. IG Metall und Arbeitgeber haben sich dort auf Lohnsteigerungen um 5,6 Prozent für 20 Monate geeinigt. Angesichts von Inflationsraten von unter 2 Prozent ergibt sich damit ein leichter Reallohnanstieg.
Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com
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May 15, 2013 04:48 ET (08:48 GMT)
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