04.12.2015 13:50:46

Mehrere Zeugen im Porsche-Prozess entkräften Argumente der Anklage

   Von Ilka Kopplin

   STUTTGART (Dow Jones)--Im Porsche-Prozess wegen informationsgestützter Marktmanipulation gegen die Ex-Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter haben mehrere Zeugen am Freitag die Argumente der Staatsanwaltschaft entkräftet. Zudem steht noch nicht fest, ob der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche im Januar aussagen muss oder womöglich doch ein vollumfängliches Aussageverweigerungsrecht bekommt. Dazu wollte der Richter am Freitag noch keine Entscheidung treffen.

   Wiedeking und sein damaliger Finanzchef Härter müssen sich vor dem Landgericht Stuttgart wegen des Vorwurfs der informationsgestützten Marktmanipulation im Zuge der verpatzten VW-Übernahme durch Porsche verantworten. Die Ermittler glauben, dass die beiden Ex-Manager bewusst falsch über die VW-Übernahmepläne von Porsche informiert haben. Sie hätten dadurch die Anleger getäuscht und den VW-Kurs manipuliert. Denn die Übernahmeabsicht habe im Geheimen, durch eine sogenannte verdeckte Beschlusslage, schon viel früher bestanden als von der Porsche SE letztlich am 26. Oktober 2008 bekanntgegeben worden war. Spätestens am 3. März sei die Absicht gefasst gewesen, heißt es in der Anklage. Mit den mehrmaligen Dementi im Anschluss, im Zeitraum zwischen dem 10. März und dem 2. Oktober 2008, habe man diesen Plan verschleiern wollen, glaubt die Staatsanwaltschaft.

   Zudem ist die Staatsanwaltschaft der Ansicht, dass auch die Mitteilung vom 26. Oktober irreführend gewesen sei. Nur wenige Tage später wäre Porsche gar nicht mehr in der Lage gewesen, die Übernahme zu finanzieren, so die Ansicht der Staatsanwalt in der zweiten, erst im Juni dieses Jahres nachgeschobenen Anklage. Denn nach Meinung der Anklage hätte Porsche die Forderungen zur Nachbesicherung auf die getätigten Kurssicherungsgeschäfte bei einem befürchteten weiteren Kursverfall der VW-Aktie nicht mehr stemmen können. Die Maple Bank hätte die Optionsgeschäfte gekündigt und innerhalb weniger Tage wären wieder mehr als 30 Prozent der Stammaktien am Markt handelbar gewesen. Das hätten Investoren der Mitteilung jedoch nicht entnehmen können, beklagen die Ermittler in ihrer Anklage.

   Mehrere Zeugen entkräfteten am Donnerstag und Freitag jedoch die Ansicht der Staatsanwaltschaft. Christian Nicklis, ein enger Mitarbeiter des damaligen Finanzchef Holger Härter, sagte unter anderem, dass er von keinen Diskussionen rund um den 26. Oktober wisse, in der es um eine mangelnde Liquidität gegangen sei. "Es war immer Cash da", sagte Nicklis.

   Auch der damalige Chef der Maple Bank, Wolfgang Schuck, sagte am Donnerstag als Zeuge aus. Mit der Maple Bank hatte die Porsche Holding damals die verschiedenen Optionsgeschäfte getätigt. Schuck bestätigte, dass es möglich gewesen wäre, dass die Porsche SE die Sicherheiten für die Optionsgeschäfte nicht in bar, sondern beispielsweise in VW-Aktien hätte stellen können. Das sei "jederzeit" möglich gewesen, sagte er. Am Freitag sagte der ehemalige Porsche-Chefjurist Konrad Wartenberg zudem, dass es über eine etwaige drohende Kündigung der Optionsgeschäfte seitens der Maple Bank keine Diskussionen gegeben habe. Am Nachmittag soll ein weiterer Mitarbeiter der Maple Bank aussagen.

   Bereits am Morgen hatte der vorsitzende Richter Frank Maurer gesagt, er neige dazu, dem Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Porsche wie den anderen Aufsichtsratsmitgliedern auch ein vollumfängliches Aussageverweigerungsrecht einzuräumen. Die anderen Aufsichtsratsmitglieder, darunter auch Ferdinand Piech, brauchen in dem Prozess nicht aussagen, da sie sich sonst mitunter selbst belasten könnten. Das Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zur Marktmanipulation gegen sie war zwar zuvor eingestellt worden, könnte aber jederzeit wieder eröffnet werden. Wolfgang Porsche könnte deshalb ebenfalls nur zur zweiten, nachgeschobenen Anklage, die sich auf die Mitteilung des 26. Oktober bezieht, aussagen. Eine inhaltliche Abgrenzung der Fragen dürfte jedoch eher daher schwierig werden. Eine Entscheidung dazu, ob Porsche wird aussagen müssen, wollte der Richter jedoch noch nicht treffen.

   Kontakt zum Autor ilka.kopplin@wsj.com

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