03.02.2015 15:03:31
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Immobilienbranche sieht keine Preisblase am deutschen Markt
Von Andreas Kißler
BERLIN-- In Zeiten extrem niedriger Zinsen strömen immer mehr Anleger auf den Markt für Immobilien in Deutschland. Der galt lange als solide und gut bewertet. Doch nach der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), zur Stützung der europäischen Wirtschaft Staatsanleihen im großen Stil aufzukaufen, hat das Betongold weiter an Attraktivität gewonnen.
Nun nehmen die Warnungen vor einer Überhitzung des deutschen Marktes immer mehr zu. Die Branche selbst gibt aber erst einmal Entwarnung: Die jüngsten Mietpreistrends seien kein Anlass zur Sorge. "Von einer Preisblase kann in Deutschland aktuell keine Rede sein", heißt es in einem Gutachten, das der "Rat der Immobilienweisen" erstellt und das der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) an die Bundesregierung übergeben hat. Dem Gremium gehören mehrere Ökonomen an, darunter der Wirtschaftsweise Lars P. Feld.
Immobilienblase nicht herbeireden
"Es gibt keine Immobilienblase, und bitte lassen Sie uns auch keine herbeireden", sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner bei einer Pressekonferenz. "Der deutsche Immobilienmarkt profitiert weiter von der Niedrigzinspolitik, Betongold bleibt gefragt", räumte er aber ein. 2014 seien über 50 Milliarden Euro in den deutschen Wohn- und Gewerbeimmobilienmarkt geflossen. Und in bestimmten Metropolen gebe es gestiegene Kaufpreise. "Wir sehen darin aber keinen Grund zur Sorge - weder im Wohnungsbau noch bei Gewerbeimmobilien." In Teilmärkten gebe es allerdings durchaus andere Tendenzen. Hier müsse "der Staat aufpassen, dass er nicht als Preistreiber unterwegs ist".
Feld zeigte sich allerdings skeptischer als der Branchenpräsident. Während die Anleger aktuell durch den Zufluss von Kapital und durch die hohe Liquidität der EZB stärker in Aktien gingen als zuvor, werde man die Entwicklung auf den Immobilienmärkten erst im Jahresverlauf stärker erkennen, sagte er. "Vor dem Hintergrund sehen wir bisher keine Preisblase in Deutschland", meinte zwar auch er, "aber die Rahmenbedingungen sind so verändert, dass wir die Situation mit mehr Vorsicht und mehr Sorge begutachten müssen, ob sich nicht so etwas im Jahresverlauf entwickeln wird".
Schwarmstädte und Top-7-Städte
Zentrales Ergebnis des Frühjahrsgutachtens der Experten ist, dass es immer mehr junge Menschen in so genannte "Schwarmstädte" ziehe. In diesen Städten stiegen laut der Studie die Miet- und Kaufpreise sowohl für Wohn- als auch für Gewerbeimmobilien. Als so genannte "Top-7-Städte" für Wohnimmobilien benennt der Dachverband Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München.
"Der Mietpreistrend in Deutschland ist weiterhin intakt", betont der ZIA aber. Der Anstieg der Mieten habe sich im Vergleich zum Vorjahr in Westdeutschland auf 2,7 von 3,3 Prozent und in Ostdeutschland ohne Berlin auf 1,9 von 2,5 Prozent verlangsamt. Die moderaten Preissteigerungen seien "fundamental begründet".
Kontakt zum Autor: andreas.kissler@wsj.com
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February 03, 2015 08:36 ET (13:36 GMT)
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