"Bringt nichts" 01.10.2013 13:41:00

IVA-Rasinger sieht Fusion der Börsen Wien und Warschau skeptisch

Der Wiener Anlegerschützer Wilhelm Rasinger (Interessenverband für Anleger, IVA) indes ist überzeugt, dass eine Fusion mit Warschau der Wiener Börse nichts bringt, wie er am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten sagte.

"Andere werden uns nicht helfen", meint Rasinger. "Entweder wir sind ein wichtiger Wirtschaftsstandort und wir schaffen es aus eigener Kraft oder eben nicht. Wenn wir es nicht schaffen, werden wir irgendwann einmal ein Fenster der Börse Frankfurt sein", so der IVA-Präsident. Er sieht aber dennoch eine Zukunft für die Wiener Börse, weil der Markt das brauche. Ein eigenes Segment für Wien schwebt Rasinger für den Mittelstand vor.

Die polnische Börse werde vom dortigen Staat in einer Art und Weise unterstützt und gefördert, die einmalig sei. "Das würden sich unsere nie trauen". Würden Fusionen als Zusammengehen "auf Augenhöhe" dargestellt, erfolge dies üblicherweise deshalb, um es für den Übernommenen emotional zu erleichtern. Es sei nun aber einmal so, dass der stärkere den schwächeren fresse. Österreich habe 8 Millionen Einwohner, Polen fast 40. Da sei "eine gewisse Relation gegeben". Wien habe früher einmal von der Osteuphorie profitiert, man dachte, man erobere Slowenien, Ungarn oder Prag, so Rasinger zu den Einstiegen der Wiener Börse in diesen Ländern. Bei Polen sei man stehen geblieben, das sei eine andere Liga. Warschau gilt mittlerweile als wichtigster Handelsplatz Mitte-Osteuropas.

In den Augen von Rasinger müsste sich die Wiener Börse als Kapitalquelle für österreichische Klein- und Mittlebetriebe profilieren. Für dieses Segment habe eine regionale Börse durchaus noch Sinn. Für kleine Börsefirmen machte auch eine tägliche Kursfestsetzung wenig Sinn, da reichte bei vielen einmal pro Woche oder im Monat aus, meint der Kleinanlegervertreter. "Ich will ja auch nicht jeden Tag wissen, wieviel meine Eigentumswohnung gerade wert ist, das verunsichert mich nur", findet Rasinger.

Der österreichische Markt sei nicht geeignet für "extreme Streubesitzgesellschaften". Das funktioniere nicht. Rasinger hat demnach nichts dagegen, wenn die öffentliche Hand Kernaktionär ist. Ansonsten könne man nicht schnell genug schauen und schon fahre ein Hedgefonds drüber. "Wir können als kleines Land nicht mit Frankfurt oder New York konkurrieren." Bei den Unternehmen im Eurostoxx 50 sei es egal, wo sie notierten.

An die neue Regierung nach der Wahl vom Sonntag erneuerte Rasinger heute seinen Forderungskatalog, der mit Ausnahme der - realisierten - Bilanzpolizei im Wesentlichen der gleiche ist wie beim letztenmal. Darunter: Absage an Vermögensteuern, Sammelklagen, Einführung von "Delisting"-Regeln, Hauptversammlungsabstimmungen zu Vergütungsberichten und überhaupt gesetzliche Pflichten zur Erstellung einheitlicher Vergütungsberichte. Eine Reform der steuerbegünstigten Zukunftsvorsorge dürfe sich nicht darin erschöpfen, über Schwellenwerte zu diskutieren, wieviele Aktien enthalten sein dürfen.

rf/mik

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