Vor morgigem Zinsentscheid |
06.11.2013 14:50:00
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Euroraum-Konjunktur zu stark für EZB-Zinssenkung
Zunächst zu den Umfragedaten: Der Einkaufsmanagerindex der Privatwirtschaft ist im Oktober zwar leicht (von 52,2 auf 51,9) gesunken, er lag damit aber erstens noch deutlich über der Wachstumsmarke von 50 Punkten und zweitens um gut 1 Prozent über dem Durchschnitt des dritten Quartals. Im dritten Quartal, für das Eurostat demnächst Industrieproduktions- und BIP-Daten veröffentlichen wird, ist der Index sogar um 7,5 Prozent gestiegen.
Zu diesem Bild passt, dass der Eurozone-Wirtschaftsklimaindex des Münchener ifo Instituts für das vierte Quartal erstmals seit zwei Jahren wieder über seinen langjährigen Durchschnittswert geklettert ist. Getrübt wird das Bild nur von den Einzelhandelsumsätzen, die im September um 0,6 Prozent und damit etwas deutlicher als erwartet (minus 0,4 Prozent) zurückgegangen sind.
Ein entschiedenes Hoffnungszeichen für die Konjunktur ist der unerwartet starke Anstieg der Auftragseingänge für die deutsche Industrie. Sie legten im September gegenüber dem Vormonat um 3,3 Prozent zu, während die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte einen Zuwachs von nur 0,4 Prozent erwartet hatten. Dank des September-Anstiegs liegen die Auftragseingänge im dritten Quartal um 1,6 Prozent über Vorquartalsniveau. Das sollte für eine moderate Produktionsausweitung am Jahresende sorgen.
Für Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, sind das "klare Anzeichen dafür, dass sich die Konjunkturerholung fortsetzen wird". "Das ist eine tolle Botschaft für Deutschland und den Euroraum", sagte er. Krüger erwartet angesichts dieser Wachstumsaussichten auch, dass sich früher oder später wieder die Inflation normalisieren wird.
Auch Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe, ist optimistisch: "Die Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung in der Eurozone mehren sich. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass es in den kommenden Monaten in der schuldengeplagten Eurozone wirtschaftlich nach oben geht", sagte er. Gitzel verwies auch darauf, dass der starke Auftragseingang maßgeblich auf einem deutlichen Plus aus der Eurozone selbst beruhte. Die Bestellungen aus dem Euroraum nahmen um 23,6 Prozent zu.
Etwas relativiert werden diese Zahlen von der Tatsache, dass Großaufträge einen ungewöhnlich hohen Anteil an den starken Auftragszuwächsen hatten. So stiegen die Bestellungen im Bereich Luft- und Raumfahrt aus dem Euroraum um 470 Prozent, nachdem sie im Vormonat um 67 Prozent nachgegeben hatten. UniCredit-Analyst Andreas Rees interpretiert die Daten aber trotzdem so: "Selbst wenn sich aus diesen jüngsten Eurozone-Zahlen keine weitreichenden makroökonomischen Rückschlüsse ziehen lassen, sind sie ein perfekter Weckruf für alle Wachstumspessimisten, die es immer noch gibt."
DJG/hab/sha Dow Jones NewswiresWeitere Links: