Dougan muss gehen |
10.03.2015 11:50:51
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Credit Suisse-Aktie hebt ab: Neuer Chef Thiam kommt von Prudential
Das kann Dougan, der nach der Finanzkrise auch immer wieder wegen seines zeitweise zweistelligen Millionengehalts im Kreuzfeuer der Kritik gestanden hatte, nicht von sich behaupten. Unter seiner Ägide als Chef sank der Aktienkurs der Credit Suisse bis zum Montag um rund drei Viertel und damit stärker als der europäische Bankenindex in diesem Zeitraum. Zuletzt stieg der Druck der Investoren, da Dougan ihrer Einschätzung zufolge die Bank nicht konsequent genug umbaute. Die Aktie gehörte, anders als zum Beispiel das Papier des Erzrivalen UBS, auch in den vergangenen Monaten zu den Verlierern innerhalb der Branche - zumindest bis zur Ankündigung von Dougans bevorstehenden Abschied.
CREDIT-SUISSE-AKTIE SCHIESST NACH OBEN
Dougans Abgang und Thiams baldige Ankunft wurden an der Börse dann auch mit Begeisterung aufgenommen. Die Aktie legte in den ersten Handelsminuten um bis zu neun Prozent auf 25,30 Schweizer Franken zu. "Thiam wird frischen Wind in die Bank bringen", sagte Vontobel-Analyst Andreas Venditti. So könnte es ihm zum Beispiel leichter fallen, das risikoreiche Investmentbanking einzudampfen. Ganz anders sah die Reaktion bei Prudential aus. Dort trauerten die Anleger bereits dem scheidenden Chef hinterher. Der Kurs des Papiers fiel um bis zu knapp vier Prozent auf 1600 Pence, konnte sich aber zuletzt wieder etwas erholen. Die Aktie hatte erst am Freitag ein Rekordhoch von 1687 Pence erreicht.
Der in der Elfenbeinküste geborene Thiam wuchs in Frankreich auf, wo er auch studierte. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit bei McKinsey in Paris und New York arbeitete er in der Elfenbeinküste für die Regierung, zuletzt als Minister für Planung und Entwicklung, bevor er als Partner wieder zu McKinsey nach Paris zurückkehrte. Von 2002 bis 2008 war er in leitenden Funktionen für die Versicherungsgesellschaft Aviva tätig. Bei Prudential war er zuerst Finanzchef, ehe er 2009 die Konzernleitung übernahm. Thiam ist verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern und spricht Englisch, Französisch und Deutsch. Er ist Bürger Frankreichs und der Elfenbeinküste.
THIAM WIRD ALS DIPLOMAT GESCHÄTZT
Experten loben vor allem Thiams diplomatisches Geschick. So gelang es ihm vor einigen Jahren, die am Widerstand von Investoren gescheiterte Übernahme des asiatischen Geschäfts des US-Konzerns American International Group (AIG) für 35,5 Milliarden Dollar ohne Karriereknick zu überstehen. Auch die Probleme mit der britischen Aufsicht wegen Fehlern bei der Bekanntgabe des geplanten Milliardendeals meisterte er vergleichsweise glimpflich. Analysten setzen jetzt darauf, dass er die noch offenen regulatorischen Fragen vor allem auch in den USA besser als Dougan löst - gerade hier hatte dieser mit seiner manchmal raubeinigen Art gepatzt.
So musste die Credit Suisse zur Beilegung des Steuerstreits mit den US-Behörden nicht nur wesentlich mehr bezahlen als etwa die Schweizer Großbank UBS, sondern sich auch schuldig bekennen - und das obwohl die UBS wesentlich mehr Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen haben soll. Dougan musste auch vor dem US-Senat antanzen und sich rechtfertigen. Immerhin konnte er den zwischenzeitlich drohenden Lizenzentzug für Teile des Geschäfts verhindern. Thiam hat dagegen offenbar gute Kontakte ins Weiße Haus. So hatte ihn US-Präsident Barack Obama Berichten zufolge 2012 zu einem Kandidaten für die Leitung einer Sparte der Weltbank ins Gespräch gebracht. Thiam lehnte dies aber ab.
PRUDENTIAL-GESCHÄFT LÄUFT WEITER RUND
Von Prudential verabschiedet er sich mit guten Zahlen für das vergangene Jahr. Der operative Gewinn stieg trotz der anhaltend niedrigen Zinsen, der Probleme in einigen Ländern Asiens und neuer Auflagen in Großbritannien um 8 Prozent auf 3,19 Milliarden Pfund (4,43 Milliarden Euro). Zudem lief das Neugeschäft weiter gut, so dass sich der Versicherer auf Kurs zu seinen mittelfristigen Zielen sieht. Wer dafür künftig verantwortlich ist, steht schon fest, kann aber noch nicht kommuniziert werden. Ein Nachfolger ist auserkoren - sein Name wird nach der Klärung der aufsichtsrechtlichen Fragen veröffentlicht. Nach Informationen des britischen TV-Senders Sky News ist es Mike Wells, der bisher die US-Sparte U.S. Jackson Nationale Life führt.
/zb/bur/fbr
LONDON/ZÜRICH (dpa-AFX)
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