11.05.2015 11:15:00
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Barclays zufolge können IWF und EZB Griechen-Default verzögern
FRANKFURT (Dow Jones)-- Griechenland muss in den nächsten Wochen mehrere größere Zahlungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Europäische Zentralbank (EZB) leisten. Zahlt Griechenland nicht, ist das nach allgemeinem Verständnis ein Zahlungsausfall, der eine Kaskade weiterer Zahlungsaufforderungen und damit Zahlungsausfälle nach sich ziehen und Zahlungsverpflichtungen aus Kreditversicherungen (CDS) auslösen würde. Das Land wäre dann endgültig pleite. Aber nach Einschätzung von Barclays besteht dieser Automatismus nicht.
In einer aktuellen Studie weisen die Analysten auf die Möglichkeit hin, dass IWF und EZB einfach keine offizielle Mitteilung über nicht geleistete Zahlungen machen. Dann, so meinen sie, gäbe es auch keinen Auslöser für weitere Zahlungausfälle oder CDS. "Möglicherweise haben die offiziellen Kreditgeber die Möglichkeit, die Dinge auf dieser Weise zu beschleunigen. Es ist aber überhaupt nicht klar, ob das auch in ihrem Interesse wäre", meint Barclays.
Auch bei ausbleibenden Zahlungen an die EU, den Euro-Rettungsfonds EFSF oder an Inhaber originaler (Pre-PSI) oder bereits umgeschuldeter Anleihen (Post-PSI) besteht laut Barclays zwar das Recht, nicht aber die Pflicht, die Kredite fällig zu stellen. PSI steht für Private Sector Involvement, den teilweisen Forderungsverzicht privater Gläubiger, wie 2012 mit griechischen Staatspapieren geschehen.
Die Logik dahinter: Ist Griechenland erstmal offiziell zahlungsunfähig, dann sind die verliehenen Gelder mit großer Wahrscheinlichkeit endgültig weg. Leihen die Gläubiger den Griechen weiteres Geld und verlängern die Zahlungsfristen, besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, einen Teil des Geldes zurückzubekommen.
Griechenland muss am 12. Mai rund 752 Millionen Euro an den IWF zahlen, am 15. Mai T-Bills über 1,4 Milliarden Euro ablösen. Neben weitere Fälligkeiten in Milliardenhöhe stehen am 20. Juli Zahlungen an die EZB in Höhe von knapp 3,5 Milliarden Euro an. Griechenland hofft vor diesem Hintergrund darauf, dass IWF und EU-Kommission demnächst weitere Zahlungen aus dem zweiten Rettungspaket freigeben werden. Bisher weigern sich die Kreditgeber aber, weil sie mit den griechischen Reformanstrengungen nicht zufrieden sind.
Am Montag beraten die Euro-Finanzminister über aktuelle Reformvorschläge des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis.
Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/smh
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May 11, 2015 04:51 ET (08:51 GMT)
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