01.10.2013 09:15:31
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Autobauer wollen in China mit kleinen Luxuswagen groß punkten
Von Colum Murphy
Deutsche Luxusautobauer drücken bei der Erweiterung ihres Angebots an Klein- und Geländewagen in China aufs Tempo. Die Hersteller wollen damit chinesische Verbraucher locken, die sich ein größeres Premiummodell nicht leisten können, oder vermögende Kunden auf der Suche nach einem preiswerten Zweitwagen.
Kleine Luxuswagen sind für viele vermögende Chinesen zwar immer noch ein Widerspruch in sich, aber Branchenexperten sagen, die Risiken, wie beispielsweise niedrigere Gewinnmargen, lohnen sich angesichts des erwarteten Anstiegs der Nachfrage nach Kompaktwagen der Premiumklasse.
Mit der Produktion kleinerer Luxuswagen vor Ort können Audi, BMW und Daimler die hohen Importzölle von 25 Prozent vermeiden. Dadurch können sie die Fahrzeuge preiswerter verkaufen. Fast alle importierten Autos werden zudem mit einer Mehrwertsteuer von 17 Prozent belegt. Eine lokale Produktion passt dagegen zu den politischen Zielen Chinas, die Autoindustrie des Landes zu fördern.
Audi handelte besonders rasch: Der Ingolstädter Autobauer will noch in diesem Jahr in der südchinesischen Stadt Foshan mit der Produktion seiner Kompaktklassen-Limousine A3 beginnen. Im April hatte Audi den Q3, einen in China gebauten Kompakt-SUV auf den Markt gebracht, der den Absatz im ersten Halbjahr beflügelte.
Dem Vorstoß im Kleinwagensegment "liegt unsere Analyse zugrunde, dass dies eines der führenden Wachstumssegmente im Automarkt Chinas wird", sagte Audis China-Chef Dietmar Voggenreiter. Der Autobauer geht davon aus, dass der Absatz von Luxus-Kompaktwagen in China im ersten Halbjahr dieses Jahres um 29 Prozent gestiegen ist und damit deutlich stärker als der gesamte Luxuswagenmarkt mit 11 Prozent. Audis Absatz in China legte im gleichen Zeitraum um 18 Prozent zu.
2012 wurden in China insgesamt 136.000 Luxuskompaktwagen verkauft. Bis zum Jahr 2015 könnte diese Zahl auf 400.000 Stück steigen, das wäre rund ein Fünftel des gesamten Luxusmarktes in China, sagte Lin Huaibin vom Marktforscher IHS.
Mit dem chinesischen Wachstum Schritt zu halten, ist entscheidend für die deutschen Autobauer, vor allem da die Nachfrage in Europa noch mehrere Jahre gedämpft bleiben dürfte. In China erzielen sie mehr als die Hälfte ihrer Gewinne, wie Max Warburton, Analyst bei der Sanford C. Bernstein, kürzlich in einer Studie schätzte.
"Deutsche Marken haben eine dominante Präsenz im Markt und in den Köpfen der Verbraucher geschaffen", bekräftigt auch Chris Bonsi, CEO für China bei der Marktforschungs- und Beratungsfirma TNS. "Aber es ist hart, zunehmendes Wachstum zu erzielen."
Die deutschen Premiumautobauer beherrschen rund 80 Prozent des Marktes für Luxusautos in China. BMW und Daimler folgen dem Beispiel Audis und ziehen mit Plänen zur Expansion der chinesischen Produktion von Kleinwagen nach. BMW baut jetzt den Geländewagen X1 in China und Analysten rechnen damit, dass die Münchner ab 2017 auch ihre 1er Serie in China produzieren. BMW wollte sich dazu nicht äußern.
Daimler bringt weltweit eine neue Generation von kleinen A-Klassefahrzeugen auf den Markt, darunter die CLA-Klasse und den Mercedes-SUV GLA. Die Produktion des GLA soll in rund 18 Monaten anlaufen. Kompaktwagen mit kleinerem Hubkolbenmotor seien "sehr begehrte" Produkte in China, berichtet der bei Daimler für China Verantwortliche Hubertus Troska. "Wir werden das angehen." Allerdings birgt es Risiken in sich, im Markt von Groß auf Klein umzuschalten. Für wohlhabende chinesische Autobauer ist größer üblicherweise gleich besser.
"Wenn BMW und andere Autobauer mit billigen Modellen auf den Markt kommen, die wie die teuren aussehen, werde ich die Marke nicht mehr kaufen", warnt BMW-Besitzer Harry Tu. "Ich möchte nicht, dass die Leute glauben ich zahle nur 200.000 Yuan für ein Auto, für das ich in Wahrheit gleich zwei Millionen Yuan hinblättere."
Kleinere Autos bedeuten auch gleich niedrigere Preise und knappere Margen. Der Q3 von Audi trägt ein Preisschild von 285.000 Yuan oder umgerechnet 34.400 Euro. Das sind rund 20 Prozent weniger, als der Autobauer mit einem in China produzierten größeren Q5 erzielt. Preise für BMWs X1 starten bei rund 242.000 Yuan. Das sind erheblich weniger als der X3 einspielt, der für chinesische Autofans ab 523.000 Yuan zu haben ist.
Die Gewinnmargen könnten zwischen ein und zwei Prozent jährlich absacken, sollte der Trend zu kompakten Premiummodellen anhalten, erwartet BMW-Chinachef Karsten Engel. Doch andere Automanager sehen die Entwicklung gelassener und optimistischer. Audis Vorstoß in niedrigere Preissegmente verringere nicht die Exklusivität der Marke, meint Voggenreiter vom deutschen Autobauer.
Vielmehr werbe Audi somit neue Käufer von Wettbewerbern ab, die für den Massenmarkt produzieren. "Unsere Marktforschung hat ergeben: Es gibt viele potenzielle Kunden im allgemeinen Kompaktwagenmarkt, die auf Premiummodelle umsteigen wollen."
Einige der Wettbewerber in der überfüllten zweiten Reihe von Chinas Luxusmarkt glauben an ihre Chance bei kleineren Fahrzeugen. "In China werden sich die Menschen mehr und mehr über die Gefahren von Umweltverschmutzung und Staus bewusst", erklärte Lex Kerssemakers von der Volvo Car Corp, die zu Chinas Zhejiang Geely Holding Group zählt. "Deswegen werden kompakte Premiummodelle eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Die Verbraucher sind einfach nicht bereit, Kompromisse bei Markenimage, Extras und Komfort zu machen."
Die etablierten US-Autobauer General Motors und Ford versuchten bisher, mit großen Modellen einen Fuß in die Tür von Chinas Automarkt zu bekommen. Sie erprobten schon größere Modelle ihrer Cadillac- und Lincoln-Produktreihen. Cadillac baut seine große XTS-Limousine in China.
Doch auch bei den US-Amerikanern setzt ein Umdenken ein. Manager beider Marken fassen eine Erweiterung der Produktpalette ins Auge, darunter um Kompaktwagen. "Wir glauben, dass der Absatz von kompakten Premiumwagen in China von heute bis 2020 stärker wachsen wird als das Premiumsegment als Ganzes", erwartet China-Chef John Lawler von Ford.
Mitarbeit: Lilian Lin und Rose Yu.
Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com
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October 01, 2013 02:56 ET (06:56 GMT)
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